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Autor Thema: Die griechischen Götter und Pythagoras  (Gelesen 2736 mal)

Eusebes

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Die griechischen Götter und Pythagoras
« am: April 24, 2014, 20:30:05 »
Danke, liebe Claudia, für die Einrichtung dieses Forums. Ich werde ein um das andere Mal von der Tradition der Pythagoreer erzählen, so wie sie auf uns gekommen ist. Von der Tradition, die zu meiner wurde. Damit werde ich euch hoffentlich nicht auf die Nerven gehen, denn - wenn es euch nicht interessiert - lest meine Beiträge einfach nicht.

Womit fange ich an? Das Haus des Glaubens ist dreidimensional, die Erzählung linear. Ich muss einfach aus dem ganzen einen Faden zupfen und daran ziehen, in der Hoffnung, dass nach und nach die wichtigsten Grundzüge des Glaubensgebäudes sichtbar werden.

So fange ich gleich mit einem Einwand an: Wie kann man nur an die griechischen Götter glauben? Zeus, der seine Frau Hera verhaut, eifernde Göttinnen, die mit ihrer Eitelkeit einen blutigen Krieg unter den Menschen entfachen, die grausam und rachesüchtig sind, jähzornig und manchmal gefährlich, nachtragend und kleinlich.

Das ist den Alten schon aufgefallen. Schon in vorklassischer Zeit meinte Xenophanes (um 500 vor), die Menschen hätten die Götter und Göttinnen nach ihrem Vorbild erfunden. Würden Pferde Götter erdenken, so würden sie wie Pferde ausschauen. ("But if cattle or lions had hands, so as to paint with their hands and produce works of art as men do, they would paint their gods and give them bodies in form like their own—horses like horses, cattle like cattle.")

Platon lässt im "Staat" Sokrates sagen: "Und diese (Mythen) sind doch, um sie im Ganzen zu bezeichnen, Falsches, es ist aber auch Wahres darin."

Auch das Evangelium des Pythagoras hat eine Antwort. Als die Musen bitten, den Menschen Göttliches offenbaren zu dürfen, erlaubt das ihnen Apollon nicht so ohne weiteres. Die Mythen sollten von den Menschen erzählen, nicht von den Göttern. Nur einigen Auserwählten sollte Offenbarung zuteil werden. So erzählen die Mythen meist davon, wie wir Menschen sind, von Grundwahrheiten unserer Existenz, damit wir uns selbst besser kennenlernen. Das ist ihre Anziehungskraft über die Jahrtausende. Und selbst zu einer Zeit, als das Christentum alles beherrschte, blieben die Mythen lebendig und prägten Kunst und Kultur und ermöglichten den Bilck in eine andere Welt.

Weit entfernt, die Mythen zu verdammen, muss man doch klar sehen, dass sie in Ihrem Erzählen (übrigens ist das die Grundbedeutung des Wortes Mythos) nicht göttliches Geschehen offenbaren, sondern - und zwar nicht moralisierend - die Höhen und Tiefen unseres Lebens darstellen.

Es grüßt 'Euch

Eusebes
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Eusebes

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Pythagoras: esoterisch, exoterisch, Kosmos, Philosoph
« Antwort #1 am: April 25, 2014, 11:17:11 »
Pythagoras hat bis heute in unserer Sprache und unseren Vorstellungen Spuren hinterlassen, obwohl das kaum jemand weiß.

Das Wort "esoterisch" geht auf die Kerngemeinschaft der PythagoreerInnen zurück, den inneren Kreis. "eso" heißt innen - ein Esoteriker ist ursprünglich jemand, der zu diesem inneren Kreis gehörte. Das war eine Gemeinschaft, die monastisch lebte und sich der Betrachtung des Göttlichen widmete, worunter damals auch die Naturwissenschaften zählten. Die PythagoreerInnen, die im Leben standen, nannte man Exoteriker (die Außenstehenden, exo - außen). Sie waren nicht ganz so strengen Regeln unterworfen.

Ein wichtiger pythagoreischer Begriff ist "Kosmos", ein Wort, dessen Grundbedeutung "Schmuck, Zierde, Ordnung" war. (Die "Kosmetik" stammt aus derselben Wortfamilie) Die Götter und Göttinnen schufen die Welt aus dem Chaos als eine Ordnung, die es zu verteidigen und auszubauen gilt, wobei jeder aufgerufen ist, dabei mitzumachen.

Die heutige Bedeutung hat das Wort also erst seit Pythagoras. Die Römer haben dann "Kosmos" mit "mundus" (eigentlich: Reinheit, Schmuck) übersetzt - es ist eine sogenannte Lehnübersetzung, bei der sie ein Wort gesucht haben, das dem griechischen entsprach. Und diesem haben sie dann den pythagoreischen Sinn gegeben. Mundus bezeichnete also fortan den Komos, die Welt. Und in dieser Bedeutung ist es heute in den romanischen Sprachen präsent. Wenn die Fußballer von "Mondial" sprechen, führen sie Pythagoras im Munde. Noch eine Ergänzung: das französische "immondice" ist auch damit verwandt: Es ist nur verneint und bezeichnet den Abfall, den Schmutz.

Und last but not least hat Pythagoras das Wort "philosophos" (Weisheitsfreund) geprägt.
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Athunis

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Re: Die griechischen Götter und Pythagoras
« Antwort #2 am: April 25, 2014, 16:25:29 »
Hi

Ich finde es sehr interessant was du da machst. Könntest du etwas über die Praxis deines Glaubens schreiben und uns hier berichten?
Ich selbst bin mehr der praktische Typ und mich fasziniert eigentlich wie ein Glaube gelebt wird, wie sich die Glaubenswelt im Alltag manifestiert, wie Rituale und Zeremonien (sofern es welche gibt) aussehen und wie sie ablaufen. :gruebel:
Gerade bei Themen die ihren Ursprung in der Antike haben bin ich neugierig wie sie ihren Platz in der Gegenwart gefunden haben.
Lg
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
"...Licht, Rum, Tabak, Glaube und die Probleme sind gelöst..."

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Eusebes

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Re: Die griechischen Götter und Pythagoras
« Antwort #3 am: April 25, 2014, 21:51:06 »
Hallo Athunis,

deine Frage ist eine sehr persönliche Frage, weil ich ziemlich isoliert mit meinem Glauben bin.

Wie die hellenische Religion im allgemeinen sehr wortbetont (logos, mythos) ist, so ist auch für mich das Wort sehr wichtig. Das heißt für mich, dass ich häufig die heiligen Texte auf Altgriechisch lese und darüber meditiere: das Pythagoras-Evangelium, Gebete, die Ratschläge der Pythagoreer ... Manchmal opfere ich dabei Weihrauch. Pythagoreer waren immer im Gespräch in der Gemeinschaft, Lehren und Lernen waren für die Esoteriker (Angehörige des inneren Kreises) zentral.

Wichtig ist für mich das Trankopfer, das ich täglich vollführe. Es ist die ständige Bewusstmachung, dass man Dankbarkeit auch für anscheinend selbstverständliche Dinge empfinden kann und dass die Götter und Göttinnen auch im Alltag da sind.

Nicht zu vergessen meine höchst private "Garten-Meditation", welche mich mit der Natur (Physis) verbindet und mir einige kraftspendende Epiphanien beschert hat, die ich als Wunder empfinde. Diese Epiphanien sind ein unbeschreiblich starkes ekstatisches Erlebnis. (Ich schrieb anderenorts davon.)

Ich möchte einmal zu Euch zu einem offenen Ritual kommen, um in Gemeinschaft Zeremonien zu erleben.

"Platz in der Gegenwart"? Das wäre eine Bewusstseinsänderung, die viele Antworten für die heutigen Probleme bieten würde. Du siehst, ich bin verhalten missionarisch unterwegs.  :D

Es grüßt dich

Eusebes
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Athunis

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Re: Die griechischen Götter und Pythagoras
« Antwort #4 am: April 27, 2014, 12:32:38 »
hi

Danke für die Antwort, klar ist das eine persönliche Frage bzw. persönliche Fragen  :D Aber du sollst ja auch nur das erzählen was du magst.  Die Betonung auf Logos und Mythos kommt mir sehr bekannt vor, ich denke dabei an den griechischen Heiler der mit diesen Begriffen auch viel gearbeitet hat, allerdings in einem christlichen Kontext.
Die Unterscheidung zwischen Esoterik und Exoterik finde ich persönlich cool, weil heute so viel Graffl damit gemacht wird und alles Esoterisch ist... daher wäre ich mehr für eine Rückbesinnung auf diese Ansichten, vor allem im spirituellen Bereich.

Das mit dem"Platz in der Gegenwart" meine ich ganz direkt, "meine" Gottheiten kann man sich auch in einem Sportauto denken und sie lieben Parfum und leben auch in der Stadt, arbeiten mit den Gegenständen des Alltags und sind nicht irgendwo in einer vorchristlichen Welt angesiedelt. Das ist ja auch meist meine eigene Kritik an den paganen Richtungen die sich an antiken Elementen orientieren. Da hat man das Gefühl in der Vergangenheit unterwegs zu sein.  :D
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