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Autor Thema: Dämonenbeschwörung richtig gemacht  (Gelesen 1046 mal)

Mc Claudia

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Dämonenbeschwörung richtig gemacht
« am: Juli 16, 2017, 14:23:09 »
Liebe Magiophile,

worauf kommt es an, wenn man einen Dämon beschwören will? Die Althexen Oma Wetterwachs und Nanny Ogg zeigen der Junghexe Magrat, wie es geht. Die drei Hexen stammen von der Scheibenwelt, und die Beschwörung vom Roman „MacBest“.

In Ermangelung cooler Kultgegenstände findet ihre Beschwörung in der Waschküche von Nanny Ogg statt, und weil sie gerade keinen heiligen Kessel mit geweihter Brühe zur Hand haben, muss der Wäschetrog mit Abwaschwasser her halten ...


... „Es müsste eigentlich klappen“, murmelte Nanny-Ogg, „Ich glaube, wir sollen uns an den Händen fassen. Magrat, vergewissere dich bitte, dass die Tür verschlossen ist.“
„Was hast du vor?“, fragte Oma Wetterwachs. Sie befanden sich in Nannys Revier, und daher stand ihr die Wahl zu.
„Ich sage immer, dass eine ordentliche Beschwörung nie schaden kann.“ Und: „Habe es schon seit Jahren nicht mehr versucht.“
Oma Wetterwachs zog die Stirn kraus.
„Aber das geht doch nicht!“, stieß Magrat hervor. „Zumindest nicht hier. Man braucht einen richtigen Kessel und ein magisches Schwert. Und ein Oktagramm. Und bestimmte Gewürze und so.“
Oma und Nanny wechselten einen Blick. „Es ist nicht ihre Schuld“, sagte Oma. „Es liegt daran, dass sie zu viele Grimmerlinge liest.“ Sie wandte sich an Magrat. „Solche Dinge brauchen wir nicht“, erklärte sie. „Pschikologie genügt völlig.“ Sie sah sich in der alten Waschküche um. „Man begnügt sich mit dem, was man hat“, sagte sie. Oma Wetterwachs griff nach einem ausgebleichten Holzstab und wog ihn nachdenklich in der Hand.

„Wir er- und beschwören dich mit ...“ Oma Wetterwachs legte eine kurze Pause ein. „... diesem scharfen und schrecklichen Holzstab.“
Das Wasser im Trog kräuselte sich ein wenig.
„Sieh nur, wie wir ...“, Magrat seufzte. „... wir altes Bleichsoda und sehr harte Seifenflocken zu deinen Ehren verstreuen. Im Ernst, Nanny, ich weiß nicht ...“
„Sei still! Jetzt du, Gytha.“
„Ich rufe und binde dich mit dieser Scheuerbürste der List – leider fehlen ihr viele Borsten – und dem Waschbrett des Schutzes.“ Nanny winkte damit; die Wringvorrichtung fiel ab.
„Ehrlichkeit ist ja ganz gut“, flüsterte Magrat kläglich, „aber es mangelt an der richtigen Atmosphäre.“
„Jetzt hör mal gut zu, Mädchen“, sagte Oma Wetterwachs. „Dämonen scheren sich nicht um das äußere Erscheinungsbild von Dingen. Es kommt nur darauf an, was du glaubst. Weiter geht’s.“
Magrat versuchte sich vorzustellen, dass die Laugenseife aus den erlesensten klatschianischen Was-auch-immer bestand. Es fiel ihr nicht leicht. Allein die Götter mochten wissen, welcher Dämon auf eine solche Beschwörung reagierte.
(...) Oma fand, dass Dämonen zu gehorchen hatten, wenn man sie rief. (...) Und Nanny mochte Dämonen, die männlich waren oder männlich wirkten.
Oma Wetterwachs hob den sechzig Zentimeter langen Holzstab, redete der Unterwelt entweder gut zu oder drohte ihr. Der eigene Wagemut erstaunte sie. Das dunkle Wasser brodelte lustlos und glättete sich wieder. Dann ertönte plötzlich ein leises PLOPP, und ein Kopf tauchte auf. Magrat ließ die Seife fallen.

(...) Der Dämon drehte sich langsam und bildete eine glänzende schwarze Statue im matten Mondschein. „Nun?“, grollte er.
„Wer bist du?“, fragte Oma Wetterwachs schlicht.
Der Kopf drehte sich und sah sie an. „Mein Name ist für Menschen unaussprechbar, Weib“, antwortete er.
„Lass mich darüber urteilen“, erwiderte Oma. „Und nenn mich nicht Weib.“
„Na schön“, brummte der Dämon selbstgefällig. „Ich heiße WxrtHltl-jwlpklz.“
„Wo bist du gewesen, als man die Vokale verteilt hat?“, fragte Nanny Ogg. „Hinter der Tür?“
„Nun, Herr ...“ Oma Wetterwachs zögerte etwa eine Millisekunde lang. „ ... WxrtHltl-jwlpklz, du fragst dich sicher, warum wir dich gerufen haben.“
„Das solltet ihr eigentlich nicht sagen“, erwiderte der Dämon. „Die üblichen Worte lauten ...“
„Schweig! Ich warne dich. Wir haben das Schwert der List und das Oktagramm des Schutzes.“
„Ach wirklich?“, höhnte der Dämon. „Für mich sehen die Dinger eher aus wie ein Waschbrett und ein Holzstab.“
(...) Oma Wetterwachs stellte ihre Frage. Der Dämon überlegte. ....
„Und lüg bloß nicht!“, warnte Magrat ernst. „Sonst lernst du die Scheuerbürste kennen.“ (...)
Dämonen waren wie Genies oder Philosophieprofessoren: Wenn man nicht GENAU die richtige Frage stellte, fanden sie großen Gefallen daran, absolut wahrheitsgemäß, aber vollkommen irreführende Antworten zu geben. ...


Was ich an dieser Beschwörung (abgesehen von dem Witz der Geschichte) so genial finde, sind mehrere Punkte, die ich in Bezug auf Magie (und anderes) ebenfalls glaube:
1. Es kommt auf Psychologie an (heißt in der Scheibenwelt Pschikologie). Egal woran man glaubt, was man hat, wo man ist – die wahre Magie macht die Pschikologie, die tiefgründige denkerische, handelnde und emotionale Herangehensweise an eine Sache / ein Ziel / einen Wunsch.
2. Egal wen man ruft, man braucht und soll keine Angst vor Geistern (welcher Art auch immer) haben. Man selbst soll die Macht über sich selbst behalten – nicht der Geist (Gottheit, Teufel, Dämon, Engel, Elfe, Verschwörungstheorie, Werbung, Angstmache, Behauptung etc.).
3. Humor ist die beste Waffe gegen Geister(angst) (und sonstige Angriffe).
4. Gut überlegte, sinnvolle und genaue Fragen sind im Leben grundsätzlich sehr vernünftig. Eine gute Frage ist ein guter Weg zu einer guten Antwort.


Viel Spaß bei Dämonenbeschwörungen!  :icon_twisted:

Mc Claudia



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