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  • Juli 16, 2019, 20:54:53

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Autor Thema: Christianisierung in der Antike - 2 coole Bücher  (Gelesen 44 mal)

Mc Claudia

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Christianisierung in der Antike - 2 coole Bücher
« am: Juli 01, 2019, 18:23:59 »
Slania,

ich habe eben die beiden Bücher ausgelesen und kann sie nur empfehlen. Am besten, man kauft sich beide auf einmal, denn sie passen zusammen wie Yin und Yang:

1. Yang - "Heiliger Zorn - Wie die frühen Christen die Antike zerstörten" von Catherine Nixey:
https://www.amazon.de/Heiliger-Zorn-zerst%C3%B6rten-zahlreichen-Abbildungen/dp/3421047758/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=Heiliger+Zorn&qid=1561997054&s=gateway&sr=8-1

2. Yin - "Pilger, Priester und Propheten - Alltag und Religionen im Römischen Reich" von Robert Knapp:
https://www.amazon.de/Pilger-Priester-Propheten-Religionen-R%C3%B6mischen/dp/3608963391/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=pilger+priester+und+propheten&qid=1561997027&s=gateway&sr=8-1

Das Buch "Heiliger Zorn" ähnelt ein bisschen den ersten beiden Bänden von Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums". Man erfährt dort (natürlich mit allen Quellenangaben), welchen Einfluss fanatische Christen, fanatische Bischöfe, fanatische Mönche und fanatische römische Kaiser auf die Gesellschaft hatten. Ist ziemlich depremierend zum Lesen aber gut geschrieben. Viel Neues erfuhr ich dort nicht, höchstens genauer. Wer Deschners 2 Antikenwerke kennt, findet sie hier bestätigt.

Von ganz anderer Art ist "Pilger Priester und Propheten".
Während Frau Nixey ein Schwarzbuch geschrieben hat, ist dieses recht bunt. Ich erfuhr hier einiges Neues, v.a., was die jüdischen Glaubensvereine der Antike betrifft. Bei vielem musste ich lachen, weil es sowas von an "Das Leben des Brian" erinnert (dieses Buch ist also der wissenschaftliche Beleg dafür, dass das Leben des Brian ein sehr historischer Film ist - bis zu einem gewissen Grad!  :D
Herr Knapp versucht hier sehr genau, die heidnischen und jüdischen Menschen im Alltag zu beschreiben, was religiöse Meinungen, Rituale und alltägliche Sorgen betrifft. Vieles haben Juden und Polytheisten im Gegensatz zum Christentum gemeinsam, was auch ziemlich interessant ist.

Warum beide Bücher?
Weil jedes Buch eine Facette der Christianisierung beschreibt, die beide gleichermaßen verantwortlich waren:
Yang:
Die römischen Gesetze seit der konstantinischen Wende (Ausnahme natürlich Iulian der einzige nachfolgende Heide), die nach und nach fanatischer wurden und Polytheismus (und vieles andere) nach und nach bei schlimmer Strafe verbaten. Weiters fanatische damalige Terroristen, v.a. Hardcore-Mönche, die als Schlägertrupps unterwegs waren und diverse andere Fundis, die dann alle als "Heilige" endeten, weil sie Statuen und Tempel der Reihe nach zerstörten.
Einer der Hauptgründe für das Verschwinden der Heidentümer in den Untergrund (oder ganz weg) war aus politischen Gründen vor allem Angst, von solchen Fundis erwischt zu werden.

Yin:
Aber auch die friedliche Missionierung hatte vor allem vor der konstantinischen Wende einige Leute christianisiert - hauptsächlich ungebildete (Kinder, Frauen, Sklaven). Die meisten Leute waren keine Philosophen und nicht sooo gebildet. Wer die cooleren Zauberkünste, Heilungen etc. herzeigte, hat gewonnen. Die Missionare hier also als banale Zauberkünstler (ähnlich wie heutige USA-Pastoren, die vor 1000en Augen angeblich wen heilen können ....).

Beides ergänzt sich wunderbar!
Alle, die es interessiert, warum das Heidentum nach und nach verschwunden ist bzw. vom Christentum in die Heiligenverehrung assimiliert wurde, ist mit diesen Büchern bestens bedient.

Ach ja - und gratis hab ich hier auf der Römerseite einen coolen Artikel gefunden:
https://incipesapereaude.wordpress.com/2015/03/20/romisch-oder-katholisch-heidnische-gedanken-zum-christentum/

subuta

Mc Claudia

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Re: Christianisierung in der Antike - 2 coole Bücher
« Antwort #1 am: Juli 01, 2019, 21:30:35 »
Danke Claudia!

ich finde dieses Thema ja sehr spannend, vorallem weil meine Religion dann auch wieder zurückinterpretiert hat und die aufgezwungenen christlichen Symbole dann quasi heidnisch gedeutet und verwendet. Geht ja wunderbar in alle Richtungen. Die Heiligen werden dadurch auch sehr spannend. Da gab es in Europa, wenn auch icht so intensive, dieselben versuche.


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Mc Claudia

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Re: Christianisierung in der Antike - 2 coole Bücher
« Antwort #2 am: Juli 02, 2019, 21:23:41 »
Yarp!  :icon_twisted:

Das nennt man, glaub ich, Kultkontinuität.  :D

Göttin Brigit > Heilige Brigit > Maman Brigitte / wieder Göttin Brigit

oder hl. Orte:

Kultplatz Bronzezeit > Kultplatz Kelten > römischer Umgangstempel > Kirche > moderne Heidin betet in der Kirche zur Göttin des Umgangstempels .....

oder Rituale:

Keltenrituale > assimiliert durch römische Rituale > röm-kath bzw. orthodoxe Rituale > und heute: böse Heiden fladern Sachen aus den röm-kath / orthodoxen Ritualen.  :icon_twisted:

Ich glaube, der Begriff Piratin bekommt für mich grad eine ganz neue Bedeutung!  :)