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  • Dezember 12, 2018, 06:42:47

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Autor Thema: phänomen esoterikesse und göttinnenwochenende  (Gelesen 32051 mal)

morgane

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Re: phänomen esoterikesse und göttinnenwochenende
« Antwort #120 am: Oktober 11, 2010, 07:37:49 »
Die schlussfolgerungen daraus überlasse ich jedem selbst.
morgane
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Die natur der natur ist allemal übernatürlich (Seth)

Iril

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Re: phänomen esoterikesse und göttinnenwochenende
« Antwort #121 am: November 25, 2018, 10:12:31 »
Folgendes kam mir im Anschluss an die beiden Themen dieses Forums: „phänomen esoterikmesse und göttinnenwochenende“ sowie „Der Eso-Thread“. Die Beschäftigung mit den Themen hier ist derzeit für mich sehr anregend. Ich hoffe es ist auch für andere spannend, interessant und anregend.

Was bedeutet Esoterik für mich?

Ich bin nicht an der Wortherkunft interessiert, hier geht es nur um mein Verständnis des Begriffs und was ich darunter fassen würde. Ich nähere mich diesem Thema nicht anhand einer Sprachanalyse oder eines geschichtlich fundierten Wissens sondern mittels meiner in mir gewachsenen Vorstellungen und dem was ich damit symbolisch, bildlich verbinde. Gesprochen also aus inneren Bildern (die sich aus allem möglichen zusammensetzen, ja aus allem was ich je gelesen, je gehört, je gelernt, je erlebt habe etc.) und ich habe nicht den Anspruch einer allgemeingültigen Wahrheit. Es ist für mich wahr und für mich funktioniert es.

Esoterik und Wissenschaft: Esoterik geht über Wissenschaft hinaus und kann Wissenschaft einschließen. Wissenschaft kann niemals Esoterik einschließen (im Sinne von Umfassen) und über sie hinausgehen. Wissenschaft ist ein Erklärungsmodel der Welt, das seine Berechtigung hat aber auch seine Grenzen. Esoterik kennt keine Grenzen. Ist Grenzenlos. Beinhaltet alles. Ist umfassend und beinhaltet die verschiedensten Erklärungsmodelle des Alls – im Sinne von allem was ist und nicht ist. Esoterik ist die bewusste Auseinandersetzung mit all diesen Erklärungsmodellen nach eigener Präferenz und das sich zusammenschustern der eigenen Erklärungsmodelle mit und/oder nach denen man leben möchte. Esoterik ist unter anderem das Wissen das man sich selbst aneignet mittels eigenen Verstehens und Erspürens innerhalb der eigenen Erfahrung. Es erschließt sich durch Bewusstsein und Aufmerksamkeit, der eigenen Neugier und Wahrnehmung. Esoterik erstrebt ein allumfassendes, sinngebendes Gesamtgefüge der eigenen inneren Vorstellungen (Denkrahmen), des Sein (Existenz an sich) und des Warums von allem. Es dient auch der Befriedigung der inneren Gefühle nach Bedeutung und Sinn. Dem Gefühl des Aufgehobenseins als wertvolle Teile in einem Gesamtgefüge, das über das Verständnis des einzelnen hinausreicht und auf das Unendliche verweist (das nicht gefasst im Sinne von umfasst werden kann). Esoterik ist in dem Sinne sehr menschlich und eine Antwort auf ein menschliches Bedürfnis. Es lässt Spielraum für die unterschiedlichsten Sichtweisen und Erklärungsversuche. Esoterik hat etwas von einem kreativen, schöpferischen, erfinderischen (auch im Sinne von Finden) Geist. Ein solcher ist auch notwendig um auf uns bis jetzt noch Unbekanntes und Verborgenes zu stoßen. Die Wissenschaft hat meiner Meinung nach nicht die Berechtigung über die Kenntnisse der Esoterik zu urteilen da sie ganz anderer Natur sind bzw. sein können – nicht müssen (Esoterik schließt Wissenschaft mit ein). Sie ist nicht das richtige Messgerät um den Wert für den einzelnen Menschen zu beurteilen. Esoterik gibt Raum für die unterschiedlichsten Vorstellungen: was, warum, wie funktioniert und in welchem Zusammenhang es mit dem Unendlichen steht bzw. mit etwas, das über einen selbst hinaus weist. Esoterik kann, meinem Verständnis nach, auch die anerkannten, großen Religionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus) einschließen.

Esoterik und Scharlatanerien, Konsumdenken, Schwindler, Gewerbe
Das Geschäft mit Esoterik ist leicht verständlich: nur wenige haben Zeit und Lust um sich mit Erklärungsmodellen auseinanderzusetzen und für sich selbst ein eigenes zu basteln. Selbsterkenntnis ist anstrengend. Sich selbst ein Bild zu machen, nachzudenken kostet Zeit, Mühe und Kraft. Zudem ist nicht jeder privilegiert und hat die Möglichkeit dazu. Erkenntnis ist oft auch sehr schmerzhaft. Die Auseinandersetzung mit Erklärungsmodellen kann auch angsteinflößend, überfordernd und lebensverändernd sein – wer will das schon? Also konsumieren wir. Menschen konsumieren aber auch wissenschaftliche Erklärungsmodelle (wir kaufen Bücher, Seminare, Workshops, Impfstoffe). Sie nehmen sie einfach ohne zu hinterfragen an. Die Eigenverantwortung ist eine große Angelegenheit und wiegt schwer.

Und es gibt auch Menschen die einfach ihr Leben gänzlich ohne diese Beschäftigung mit Erklärungsmodellen leben wollen. Als freiwillige, selbstbestimmte Menschen haben alle das Recht auch ganz einfach nur schöne Sachen kaufen zu wollen – wer bin ich über sie zu urteilen. Als freiwillige, selbstbestimmte Menschen hat auch jeder das Recht etwas anzubieten und zu verkaufen, aus welchen Gründen auch immer – denn selbst wenn er damit nur Geld verdienen will um sich seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen oder sich bereichern will – zu einem Geschäft gehören immer zwei. Außerdem darf doch jeder arbeiten und Geld verdienen. Viele Arbeitsplätze und Arbeiten hat mensch, weil er eben auch nach seinen eigenen Bedürfnissen leben will und Rechnungen zu zahlen hat. Wer bin ich darüber zu urteilen. 

Das Bedürfnis nach Qualitätssicherung hat meiner Meinung nach auch das Bildungssystem in Österreich nicht besser gemacht. Die Grundlagen solcher „Qualität“s-„Sicherheiten“ liegen in der Bemessung messbare Werte, nicht ob der Inhalt verstanden wurde also eine echte Auseinandersetzung im eigenen Inneren und damit eine nachhaltige Aneignung (im Sinne von sich etwas zu eigenen machen) zustande kam. Wie wäre das auch messbar oder woran feststellbar? – und gleichzeitig rentabel, vergleichbar und im großen Stil anwendbar? Aus meiner Erfahrung  sage ich: eine wie auch immer geartete Ausbildung findet im eigenen inneren statt – die Ausbildung ist dann immer nur so wertvoll wie mensch sich selbst damit auseinandergesetzt hat. Das beruht aber auf meinen eigenen Wertvorstellungen und ist nicht verallgemeinerbar.

Dort wo nach Qualitätssicherung gefragt wird, müssen wir Erklärungsmodelle zugrunde legen. Diese Erklärungsmodelle können, müssen aber nicht tatsächlich Sicherheit bieten – es sind nur Erklärungsmodelle. Sie können innerhalb eines gewissen Rahmens funktionieren, müssen aber nicht. Sie bieten damit auch eine „Schein“-“Sicherheit“ (auch im Sinne eines Zeugnisses, eine Scheines wie ein Diplom, mir wurde beigebracht: das Papier sehr geduldig ist). Sie hängen von Wertvorstellungen ab.

Hier bedienen Erklärungsmodelle das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit. Für mich also durchaus sehr esoterisch obwohl es für viele wahrscheinlich einfach ein Faktum ist, den sie nie angezweifelt haben (weil wissenschaftlich fundiert – also von gescheiten Menschen schon vorgedacht und mit Werturteilen versehen). Meiner Meinung nach: da es schon im herkömmlichen Bildungssystem von dem eigenen Erklärungsmodell abhängt ob ich mir dadurch Sicherheit erhoffe oder nicht – dann ist das wohl auch so in allen anderen Bereichen. Für mich ist dieses Sicherheitsdenken/Sicherheitsgefühl fragwürdig – also zu hinterfragen – auch im Sinne der Esoterik als Gesamtgefüge der Werte und Wertvorstellungen eines Menschen. Im Endeffekt ist sich jeder selbst überlassen und dem eigenen Nachdenken, Nachfühlen und Glauben.

Wir sollten uns dabei gegenseitig unterstützen unser eigenes Gespür und Denken so zu schärfen und zu stärken, dass wir für uns selbst wahre und richtige Entscheidungen treffen und mit den von uns getroffenen Entscheidungen auch mit Freude leben. Wir sollten uns dabei gegenseitig unterstützen, dass wir für uns selbst passende und wahre Werte/Erklärungsmodelle zu einem von uns als wahr erfahrenes Weltgefüge zusammenfügen können indem und mit dem wir ein für uns selbst definiertes, erfülltes und glückliches Leben leben.

Täuschungen und Schwindler können uns auch viel beibringen sowie jeder Fehler (der sich ja auch erst im Nachhinein zeigt). Die Möglichkeit muss immer gegeben sein, dass wir uns irren. Irren ist menschlich.

Und vielleicht ist das ja auch alles Blödsinn. Denn auch wenn unser Bildungssystem zu wünschen überlässt, so bin ich doch froh überhaupt in den Genuss gekommen zu sein von Bildung. Ich gehe noch weiter und meine es ist ein wesentlicher Bestandteilt um sich überhaupt irgendwann mit all den Themen auseinandersetzen zu können. Lesen, Schreiben, Rechnen und all das andere was einem in der Schule beigebracht wird (Sprachkenntnisse, grobe Geschichtskenntnisse, etc.) , sind wohl grundsätzliche Voraussetzungen. Zumindest erleichtern sie das selbstständige Denken und sich Weiterbeschäftigen enorm. Insofern funktioniert es.

Also brauchen wir vielleicht einen anderen Blickwinkel, der sich nur darauf konzentriert messbare Qualitätsmerkmale esoterischer Angebote herauszuarbeiten, damit eine gewisse Qualitätssicherung stattfinden kann. Damit überhaupt so etwas wie ein Standard von notwendigen Grundlagen geschaffen wird. Dieser kann ungerecht und unzureichend sein aber sicherstellen das Werte (wie zum Beispiel Freiheit/freier Wille), die eine Mehrheit der Menschen als sinnvoll erachten, bei Seminaren, Workshops, Esoterikmessen, esoterischem Angeboten eingehalten werden. Und nicht alles als Esoterik bzw. esoterisch wertvoll betitelt und verkauft werden kann. Also um einen praktischen Nutzen zu haben und nicht nur einen Theoretischen/Ideologischen.
Nur wem gestehen wir diese Beurteilung der Wertkriterien und Qualitätskriterien zu und warum? Da ich keine bessere Form kenne: ist wohl die demokratische Methode, die beste. Dafür würde es aber einer größeren Esoterik-Gemeinschaft, die sich zusammenschließt und gemeinsam Kriterien ausarbeitet, benötigen. Wonach bemisst man ob etwas Scharlatanerie ist oder einfach nur die eigene Abneigung gegen bestimmte Vorstellungen?

Dennoch bietet es keine absolute Sicherheit vor Täuschern und Betrügern. Man kann immer auf solche hereinfallen, niemand ist gefeit davor. Mein größtes Mitgefühl für Menschen, denen das passiert – und auch mir gegenüber wenn ich es selber bin. Dann heißt es: irren ist menschlich. Nachdenken, Schlüsse ziehen, Aufrappeln und verändert Weitermachen.
"Ich bin im Hier und Jetzt. Beschützt und geliebt.
Leichtigkeit erfüllt mein Herz.
Und mit Leichtigkeit folge ich Euch wo auch immer Ihr mich hinführt,
und bin glücklich und dankbar mit dem was ist."