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  • Dezember 18, 2018, 12:26:05

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Autor Thema: Yule  (Gelesen 15361 mal)

Mariasalina

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Re: Yule
« Antwort #30 am: Januar 02, 2013, 07:52:53 »
Danke, ich hab mich die letzten Tage einfach auf meine Intuition verlassen, täglich die Jul-Räuchermischung eingesetzt und gestern am 1. eine Ausräucherungs- und Segnungsräucherung gemacht (und sonstige Reinigungsabläufe), habe 11 Monatsrunen gezogen, fehlt noch heute eine, und eine Jahreslegung gemacht: rausgegangen bin ich nur kurz nachts beim Vollmond am 28., da konnt ich nicht anders. Aber: irgendwie bin ich erleichtert, dass diese Tage vorüber sind! Ich fühle mich tatsächlich heute viel leichter. Aber vor 2 Tagen spürte ich schon so etwas wie einen "Angriff", da alles ziemich chatotisch und schief lief; mit Disziplin hab ich das überwunden. Von der Außenwelt hab ich mich bis auf Weihnachten fern gehalten!
 :)
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
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"Wenn jemand mit Gewissheit beginnen will, wird er in Zeifeln enden.
Wenn er sich aber bescheidet, mit Zweifeln anzufangen, wird er zu
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barbara

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Re: Yule
« Antwort #31 am: Januar 02, 2013, 11:15:13 »
Zitat von: "Seth"
Sie beginnen mit der Tag und Nachgleiche, das kannten die Germanen.
Die germanischen Rauhnächte wurden nicht von den Römern und auch nicht vom Prä- oder Christentum erfunden.
Es gab dies alles schon bevor es Römer gab. Deswegen kann ich McClaudias Multikulti-alles mal kräftig durcheinander bringen nicht teilen.

Da die Astronomie für alle gleich ist, halte ich es durchaus für sinnvoll, Parallelen zwischen Jahreskreisfeiern im weitesten Sinn nicht auszuschliessen. Wir sind alle Menschen, wir ticken im Wesentlichen alle gleich.

Wenn es Unterschiede zwischen ägyptischen und germanischen Riten gibt, so dürfte wohl der Breitengrad und der daraus folgende grössere oder kleinere Kontrast zwischen den einzelnen Jahreszeiten die grösste Rolle spielen.

grüsse, barbara
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Mc Claudia

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Re: Yule
« Antwort #32 am: Januar 02, 2013, 14:47:10 »
Hi Seth,

Zitat von: "Seth"
Sie beginnen auch nicht am 25.12., weil die Germanen den 25.12. nicht kannten. Sie beginnen mit der Tag und Nachgleiche, das kannten die Germanen.
Die germanischen Rauhnächte wurden nicht von den Römern und auch nicht vom Prä- oder Christentum erfunden.
Es gab dies alles schon bevor es Römer gab. Deswegen kann ich McClaudias Multikulti-alles mal kräftig durcheinander bringen nicht teilen.
 

Ich hab gar nix durcheinandergeschmissen. Tatsache ist, dass die folkloristische Tradition der Rauhnächte hierzulande am 25.12. beginnt und am 5. Jänner endet. In anderen Teilen Europas offenbar am 21.

Dass der Brauch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit germanisch ist, hab ich ja auch geschrieben, und da geb ich Dir ja Recht.

Nur: großes NUR: Mir ist keinerlei historische Quelle bekannt, die die Rauhnächte VOR dem Christentum oder vor der Römerzeit nennt. Jedwede Historie, die die Germanen betrifft stammt halt blöderweise von antiken Autoren der Klassik oder eben von Christen, die heidnisch-Vorchristliches niederschrieben.

Das heißt, die Annahme, dass die Germanen (welche auch immer), die Rauhnächte (warum auch immer) vor der Christianisierung oder sogar vor den Römern begingen, ist eine Annahme, die aber m.W. durch überhaupt keine Quelle verifizierbar ist.

Bitte nenn mir Deine Quelle, aus der Du weißt, dass die Germanen vor dem Christententum die Rauhnächte feierten, und dass diese gewiss am 21. Dezember begannen.

Mit Verlaub, eine der ältesten umfangreicheren Kalenderquellen über „die Germanen“ stammt von Beda Venerabilis aus dem 7. Jhdt. NACH Christus, und zwar nur über die Angelsachsen. Da schreibt er eindeutig, dass die Modraneht (die Mütternacht – was immer genau damit gemeint war) am 25. Dezember gefeiert wurde und dies den Jahresbeginn darstellt. Das kann man nun deuten, wie man will, zumal der ganze angelsächsische Kalender ein Lunisolarkalender war (laut Beda), in dem der Schaltmonat (Thrilidi) in den SOMMER fiel! Und wenn man Schaltmonate hat, braucht man keine Rauhnächte, um die Differenz zwischen Lunar- und Solarkalender auszugleichen. Vom 21. Dezember oder der Wintersonnenwende schreibt er gar nix. Wenn man also die Rauhnächte versucht bei den Angelsachsen einzuführen (von denen Beda auch nix schreibt), so dann wohl vom 25. Dezember (Modraneht) weggerechnet. Natürlich könnte Beda geschummelt oder geschönt haben, und in Wirklichkeit war die Modraneht am 21. Dezember, was Beda halt kurzum mit dem julianischen Kalender in eins setzen wollte und den 25. angab. Aber das ist Spekulation, wenn auch eine interessante.

Die etwas frühere Quelle über Jul stammt von den Goten. Im Codex Ambrosianus A aus dem 6./7. Jhdt steht geschrieben „Naubaimbair: fruma Jiuleis“, also „November: der Julmonat“. Mehr is da nicht zu lesen über Jul, geschweige denn von Rauhnächten oder gar vom 21. Dezember.

Und der olle Tacitus ist auch nicht hilfreich, denn der schreibt in seiner Germania bloß, dass die Germanen nach dem Mond rechneten und dass sie an Neu- oder Vollmonden Versammlungen abhielten.

Also bitte, lieber Seth. ich wäre Dir sehr verbunden, wenn Du mir eine vorchristliche Quelle nennen könntest, in der die Rauhnächte beschrieben werden, und wo steht, dass sie am 21. Dezember beginnen. Ich lechze förmlich danach, denn das Kalenderthema interessiert mich ja selbst sehr!

Nicht, dass ich Deine Version nicht für möglich halte. Aber es mit Sicherheit zu behaupten, widerspricht doch auf jeden Fall den spärlichen Quellen über vorchristliches germanisches Kalenderwesen. Dem angelsächsischen Kalender widerspricht es auf jeden Fall, weil dort ein Schaltmonat im Sommer genannt wird. Ein germanischer Kalender, für den die Rauhnächte von Bedeutung sind, muss in jedem Fall schon sehr solar sein!

Ich stelle hiermit die (ebenfalls nicht beweisbare) Behauptung auf, dass die Rauhnächte aus dem Clash zwischen alten germanischen Lunisolarkalendern und dem durch das römische Christentum verbreiteten julianischen Kalender herausging. Die Percht (wie immer diese Göttin früher hieß) und Wodanaz waren m.E. sicherlich schon davor wichtige Gottheiten, und ich denke auch, dass die Wilde Jagd für die dunklen Jul-Monate (die ja offenbar auch von Stamm zu Stamm variierten) schon früher ein wichtiges religiöses Element war. Aber die Rauhnächte als kalendarische Ausnahmesituation kann man sich nur aus Solarkalendern erklären, die die Idee des alten Lunisolarkalenders aufgriffen und die Differenz nun so ausglichen. Wenn ich aber mit meiner Spekulation Recht habe, dann passt auch der 25. Dezember, denn der war ja zu Zeiten der Germanenchristianisierung bereits mit Weihnachten verknüpft. Das heißt, ich glaube, dass die Rauhnächte aus der Germanenchristianisierung mit Übernahme des julianischen Kalenders herausgingen.

Danke, Seth, auf jeden Fall für diese Diskussion, denn dadurch bin ich auf diese meine Idee gekommen. ;)

Liebe Grüße

Mc Claudia
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Iril

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Re: Yule
« Antwort #33 am: Dezember 08, 2018, 09:24:20 »
Für mich ist Yule eine Zeitspanne und sie beginnt im Advent. Wir rufen den Winter und den Schnee herbei (Zum Beispiel durch Lieder wie: Schneeflöckchen, Weißröckchen). Denn der Herbst und das Sterben ist ein sehr anstrengender  und zumeist auch schmerzhafter Prozess. Der Winter ist eine Zeit des Ausruhens, des Schlafens, des sich Erholens, der Regeneration. Der Winter ist die erhoffte Pause und Erleichterung. Die Zeit des Zerstörens und Sterbens endet und geborgen unter Schnee beginnt hoffentlich etwas Neues.

Der Advent läutet die Zeit des (Kekse-) Backens ein, die dann den ganzen Winter anhalten wird.

In einem Atemzug  (also Gleichzeitig) sagen wir: lebe wohl Freund, willkommen neuer Freund also lebe wohl und willkommen. So war das auch wohl mit: Der König ist tot. Lang lebe der König. Yule ist der Tod und die Geburt gleichzeitig. Die Transformation von einem Zustand in einen anderen. Der Winter mit seinem hellen weißen Kleid tritt ein. Unter der weißen Pracht wartet sicher und geborgen neues Leben.

Es ist der Punkt wo man sich entweder für den Tod oder das (Weiter-)Leben entscheidet. So oder so ist es eine Erleichterung und Erlösung, denn das Sterben ist damit beendet und die Phase der Ruhe und Erholung fängt an. Die Phase wo wir umsorgt werden, uns selbst umsorgen und inneren Frieden finden (Seelenfrieden). Wo wir mit dem was war und ist ausgesöhnt sind. Man fasst vertrauen, dass es weiter geht und genießt die Fürsorge anderer. Ab jetzt beginnt die Zeit wo wir Geborgenheit in der Familie, der Gemeinschaft, bei Freunden, im Glauben, in uns selbst, bei Göttin und Gott, im Leben suchen und finden. Es beginnt die Zeit der Gastfreundschaft – wo wir uns gegenseitig Schutz und Geborgenheit bieten. Es gilt sich zu besinnen – sich also den Sinn finden und Sinn geben. Nach der Phase der Zerstörung, der Trauer, des Schmerzes, des Sterbens und Vergehens gilt es ab jetzt wieder einen neuen Lebenssinn und Lebensmut zu finden. Sich diesen Lebenssinn und Lebensmut selbst zu geben. Es gilt sich darauf zurück zu besinnen was das Leben lebenswert macht und dafür auch dankbar zu sein. Es gilt von neuem Vertrauen zu schöpfen in die Zyklen des Lebens. Lebensmut und Vertrauen werden wiedergeboren. Nach der Entscheidung für das Leben und der Sinngebung erfreut man sich an der Ruhe, der Stille und dem Frieden, die damit einkehren.

Die Qualität der Energie ändert sich. Die Schwere der Erde geht über in die Leichtigkeit des Luftelements. Es ist eine Zeit des Denkens, der Klarheit, des Durchblicks, der gedanklichen Beweglichkeit. Während das äußere zum Stillstand kommen kann.

Bis zum 1. Neumond der auf die Wintersonnenwende folgt – befinden wir uns noch in der Phase des Übergangs, wo die eine Kraft (die Kraft der Zerstörung) immer mehr abnimmt aber noch nicht ganz an Wirkung verloren hat und die andere Kraft (die Kraft der Ruhe, des Regenerierens, der Geborgenheit, des Vertrauens) im Kommen ist aber noch sehr schwache Wirkung hat. Also wo das eine ins andere erst transformiert werden muss bzw. beides zugleich anwesend ist.

Hier gehören für mich die Runen ISA (Kälte, Eis, Stillstand, der Wesenskern), SOWILO (Bewusstwerdung) und EIWAZ (Aufstieg vom Dunkel ans Licht) dazu.

Ab der Wintersonnenwende wenden wir uns wieder bewusst dem Leben zu. Dem Erschaffen und Gestalten des Lebens. Wir werden uns unserer Wünsche für unser weiteres Leben bewusst. Wir werden uns bewusst darüber was wir ins Leben rufen und singen wollen. Wir lassen endgültig alte Glaubenssätze, Vorstellungen, Bilder, Werte los und bereiten uns auf neue Möglichkeiten, Glaubenssätze, Vorstellungen, Bilder, Werte vor. Wir weiten unser Weltbild wieder aus, das durch die Beschränkungen des Herbstes eng geworden ist. Öffnen uns dem Augenblick, dem Hier und Jetzt. Wir schaffen Raum für neue Möglichkeiten des Denkens, Fühlens, Wahrnehmens, Seins. Und pflegen und hegen diese noch unausgegorene neue Geisteskraft. Denn das neu erwachte Bewusstsein ist noch nicht gefestigt und leicht verfällt man wieder in alte Muster.

Ab der Wintersonnenwende werden wir immer ruhiger und gönnen uns auch mehr Auszeiten und Ruhephasen. Wir genießen es jetzt vermehrt in warmen, beheizten Räumen zu sein. Hoffentlich fällt auch Schnee, denn der Schnee bewahrt und beschützt auch. Er hat eine ganz eigene Qualität, die es vermag Kälte abzumildern, Dunkelheit heller erscheinen zu lassen, Geräusche zu absorbieren und zur Stille beizutragen. Er ist aber auch wunderbar zum Spielen als Schneeball, als Schneemann, als Untergrund zum Rodeln. Es macht auch Spaß Eislaufen zu gehen. Jetzt wird es stiller und stiller. Und die Ruhe und Erholung lässt uns regenerieren. Menschen rücken im Winter näher aneinander, sind aufgefordert miteinander zu teilen und sich gegenseitig umeinander zu kümmern. Geschützt und behütet fördern wir einander, unterstützen wir einander, schenken wir einander Fürsorge.

Yule ist der Anfang des Winters und des Bewusstseins. Über dem Winter reift das Bewusstsein heran unter der Obhut und Fürsorge der Gottheit. Es nimmt gedankliche Gestalt/Form an (Höhepunkt zu Imbolc) und zu Frühlingsbeginn manifestiert es sich, wird zur Gänze geboren.

Yule ist eine bewusste Entscheidung zum (Weiter-) Leben. Jetzt kann man ausruhen und sich erholen, weil man inneren Frieden gefunden hat.

Bei Yule geht es auch darum Freude zu bereiten. Die Schwere des Herbstes soll gewandelt werden in Leichtigkeit. Um bei Menschen wieder Lebensmut und Lebenswillen zu entfachen schenken wir einander Freude. Die kleinen Gaben sollen also wieder neue Lebenslust und Lebensfreude entfachen. Das Weiterleben soll mit dem kindlichen Staunen angeregt werden und mit dem Versprechen sich jetzt von den Strapazen erholen zu können. Es geht darum dem Leben einen (neuen/alten) SINN zu geben.
"Ich bin im Hier und Jetzt. Beschützt und geliebt.
Leichtigkeit erfüllt mein Herz.
Und mit Leichtigkeit folge ich Euch wo auch immer Ihr mich hinführt,
und bin glücklich und dankbar mit dem was ist."