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Autor Thema: Was mir am Judentum sympathisch ist  (Gelesen 18758 mal)

Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #15 am: Mai 07, 2012, 15:41:30 »
OK, dann erzähl ich nächstens mal einer Asylwerberin aus dem Kongo, die vor Gewalt geflohen ist und hier mit bibbernden Knieen auf einen positiven Asylbescheid wartet, was bei unserem "netten" Asylgesetz sowieso sauschwer ist und ewig dauert, dass sie sich ihr jetziges Leben ausgesucht hat und das ja so wollte, und sie solle sich nicht so anstellen, es ist ja alles nicht so schlimm. Wenn sie dann abgeschoben wird, auch nicht so schlimm, das Universum will sicher letztlich nur ihr bestes. (Hauptsache mir gehts gut ....  :kotz:   )

Ich bin schwer dagegen, als Opfer von was sehr Schlimmem (oder besser "Überlebende/-r") in der Opferrolle zu verharren. Das ist gewiss antiproduktiv. Bevor man das aber schafft, muss man erst einmal als Opfer (oder Überlebende) von Gewalt etc. sich akzeptieren und wahrgenommen werden, sich klarmachen, dass man selbst nicht der Täter oder schuldig oder verantwortlich ist oder sich irgendwas ausgesucht hat.

DANN kann man die Scheiße aufarbeiten, selbstbestimmt und frei werdend. Dafür brauchts aber auch ein bestärkendes Umfeld. Die esoterische Karmalehre scheint mir da suboptimal.

Aber eigentlich wollte ich ja übers Judentum diskutieren ...  :doh:
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Giles

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #16 am: Mai 07, 2012, 18:34:47 »
Zitat von: "Mc Claudia"
OK, dann erzähl ich nächstens mal einer Asylwerberin aus dem Kongo, die vor Gewalt geflohen ist und hier mit bibbernden Knieen auf einen positiven Asylbescheid wartet, was bei unserem "netten" Asylgesetz sowieso sauschwer ist und ewig dauert, dass sie sich ihr jetziges Leben ausgesucht hat und das ja so wollte, und sie solle sich nicht so anstellen, es ist ja alles nicht so schlimm. Wenn sie dann abgeschoben wird, auch nicht so schlimm, das Universum will sicher letztlich nur ihr bestes. (Hauptsache mir gehts gut ....  :kotz:   )

nein, weil das bringt ihr in der situation genau gar nix.
andere religionen sehen unangenehmes als prüfung oder strafe der Götter. ist das "fairer"? es geht ja primär um die geburt und die anlagen, die man mitbekommt. müselige asylverfahren haben mit karma nur bedingt was für mich zu tun.
ich fürchte, wenn Du diese welt so moralisch begründen möchtest, dass die religion "nett" auf den menschen wirkt, dann bleibt Dir nur der atheismus - der ja an sich eine vernünftige sache ist.
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homo homini lupus

barbara

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #17 am: Mai 07, 2012, 21:05:03 »
Hallo McClaudia

- erzählen tu ich sowas in Kontexten, wo das Erzählen darüber sinnvoll und angemessen ist. Besagte Asylbewerberin hat vermutlich in dem Moment dringendere Probleme, als philosophische Gespräche zu führen.

- es ist so schlimm wie es eben ist, nicht mehr und nicht weniger. Mit allem, was das mit sich bringt, oder auch nicht.

- ja, ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass auf Ebene der Seele (nicht des Egos) ein Mensch auch mit so schrecklichen Dingen sich einverstanden erklärt, wie sexuellen Missbrauch, Folter, Krieg, Hunger, Krankheit zu erleben. Die Gründe dafür muss ich nicht kennen und nicht verstehen. Ich kann aber die Wahl dieser Seele ehren.

Zitat
Bevor man das aber schafft, muss man erst einmal als Opfer (oder Überlebende) von Gewalt etc. sich akzeptieren und wahrgenommen werden, sich klarmachen, dass man selbst nicht der Täter oder schuldig oder verantwortlich ist oder sich irgendwas ausgesucht hat.

Es ist wichtig, die Ebenen von Seele und Ego klar auseinanderzuhalten und sie nicht zu vermischen. Sonst wird es nämlich tatsächlich zynisch und unverständlich, was es im Grunde aber nicht ist.

Zitat
DANN kann man die Scheiße aufarbeiten, selbstbestimmt und frei werdend. Dafür brauchts aber auch ein bestärkendes Umfeld.

Was  würdest du denn der Asylantin an dem Tag sagen, wo sie wieder ins Flugzeug Richtung Kongo steigen muss?

grüsse, barbara
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Athunis

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #18 am: Mai 08, 2012, 12:05:24 »
ich komm bei eurer diskussion nicht mehr ganz mit *ggg*
aber wenn man schon an das schicksal, kismet, karma und spirituelle lehren glaubt, dann hat alles seinen grund warum es im leben passiert. sei es noch so grausam, rassistisch, ekelig . WAS es nun ist, ob eine strafe, belohnung aus dem vorigem leben, eine strafe/belohung der götter, eine möglichkeit, eine lehre, ein aufstieg in den spirituellen leitern oder ein schritt zur vollendung der seele, oder ein aussuchen vor der geburt, ja das ist alles individuell.

seltsamerweise existeren bei uns nur theoriegespinste über die man sich jahrelang den kopf zerbrechen mag. wie ich auch in der diskussion bemerkt habe. schamanische, hexische, druidische *g* oder voduistische oder was auch immer aufgabe war und ist es, herauszufinden WARUM etwas passiert, was der hintergrund ist beziehungsweise wie man daraus das beste holen  kann. einige ereignisse sind sehr spirituell, andere materiell, einige kann man lösen, andere kann man nicht lösen.
nur so mal meine gedanken dazu
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"...Licht, Rum, Tabak, Glaube und die Probleme sind gelöst..."

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Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #19 am: Mai 08, 2012, 15:05:13 »
Hi Giles, Barbara et al,

Zitat von: "Giles"
andere religionen sehen unangenehmes als prüfung oder strafe der Götter. ist das "fairer"?

Nein, überhaupt nich. Hab ich ja oben schon angesprochen, dass die Karmalehre nicht die einzige religiöse Moralbegründung für Leid ist, die mir äußerst sauer aufstößt. Ich denk nur an das Erdbeben von Haiti: Sowohl Evangelikale als auch Voodoopriester/-innen haben ihrem Volk erzählt, dass eine falsche Lebensweise oder mangelnde Moral oder die falsche Religion oder der Zorn der Loas das Erdbeben verursacht hat (es gab aber auch beiderseits welche, die das bestritten). Ich finde solche Erklärungen Bullshit, egal ob sie von Monotheisten, Buddhisten oder Heiden kommen. Damit ist m.E. niemandem geholfen. Und rational gesehen ist es sowieso Schwachsinn. Was schert sich die Kontinentalplatte um die Menschen, die auf ihr wohnen?

Die Idee der Prüfung finde ich da schon akzeptabler (danke für den Hinweis!), obwohl man das auch eher für sich selbst entscheiden muss. Zwar nicht fairer, aber eine Prüfung ist eine Herausforderung, etwas, das man meistern kann, dem man sich stellen kann, wo man selbstverantwortet Möglichkeiten hat. Eine Bestrafung oder eben eine angebliche eigene Aussuchung oder „Sünde“ oder unwissentliche Übernahme vergangener angeblicher Fehler ist etwas Feststehendes, dem man sich fügen muss. Da find ich Prüfung irgendwie lebensbejahender und optimistischer. M.E. halt.

Natürlich kann ich in Einzelfällen für mich schadenfroh feststellen, dass irgendwo jetzt mal endlich die Gottheiten gerechterweise eingegriffen haben. Wenns mal auch die wirklich Verantwortlichen trifft und nicht immer nur die Ärmsten der Armen. ;D  Das kommt aber eher selten vor. Im Großen und Ganzen sehe ich in der schicksalshaften Verteilung von Leid keinerlei Anzeichen von Gerechtigkeit. Ich sehe also Leid und Unglück in den meisten Fällen unabhängig von (kosmischer) Gerechtigkeit oder Ausgleich, sondern zufallsbedingt, als Folge des freien Kräftespiels. Die Aufgabe der Menschen ist es dann, Leid möglichst zu lindern und für sich selbst und ihre Nächsten ein gutes, gelungenes, glückliches Leben zu ermöglichen. Das finde ich halt. Und meine Gottheiten haben mir dabei gefälligst zu helfen - dafür kriegen sie auch Opfer und Gebete und Göttersachen halt.

Eigentlich wollte ich in diesem Thread ja über die Dinge diskutieren, die ich am Judentum sympathisch finde. Und neben einigen anderen pragmatischen Elementen finde ich halt die eine Jenseitsvorstellung für mich durchaus nachvollziehbar, fair und logisch: Dass im Leben nicht Gesühntes nach dem Tod gesühnt wird, und zwar in einem akzeptablen Zeitraum mit nachheriger Erlösung. Ich finde diese Art der Jenseitssühne für mich besser und akzeptabler als Karma und ewig(dauernde) Höllen, weil es im menschlich vorstellbaren Bereich ist. Ich stelle mir vor, ich sterbe, und dann werd ich halt von meinen Gottheiten für meine Schandtaten zur Verantwortung gezogen. Und nach einem Jahr oder so hat das ein Ende, und ich kann in die schöne Anderswelt oder wiedergeboren werden (mit vorheriger Reset-Taste) oder was auch immer. (Ich gehe allerdings davon aus, dass sich die Seele ihr diesseitiges Vorleben schon merkt und bewusst ist - sonst hätte das genausowenig Sinn wie Karma.)

Zitat von: "Giles"
es geht ja primär um die geburt und die anlagen, die man mitbekommt. müselige asylverfahren haben mit karma nur bedingt was für mich zu tun.

Gut, das ist ja was anderes. Das ist auch keine moralische Aussage, und mit so einer Erklärung hab ich auch kein Problem.

Zitat von: "Giles"
ich fürchte, wenn Du diese welt so moralisch begründen möchtest, dass die religion "nett" auf den menschen wirkt, dann bleibt Dir nur der atheismus - der ja an sich eine vernünftige sache ist.

Nö, muss nicht. Ich habe ja oben erklärt, wie ich mir religiös vorstelle, was bei Leid zu tun ist. Für mich sind Dämonen oder feindliche Gottheiten für individuelles Leid verantwortlich, die im Widerstreit zu anderen Gottheiten stehen und dummerweise sehr mächtig sind. So wie in der Menschenwelt auch, wo einem ungute Leute das Leben zur Hölle machen können. Meine Gottheiten können mir in schlimmen Situationen dann halt höchstens nur mal Trost spenden und mir Zuversicht schenken. Oder das mit der göttlichen Prüfung, das finde ich auch OK. (Wenn man aber der Meinung ist, dass die Gottheiten das mit der Prüfung leicht übertreiben, haben die Gläubigen sehr wohl das Recht, ihren Gottheiten zu grollen. Ewiges A***Kriechen ist nicht mein Ding, auch nicht bei Gottheiten. *find*  Ich glaube sogar, dass das Grollen gegen Gott sogar in der Thora vorkommt.)

Auch die Unzulänglichkeit der Gottheiten sind für mich eine Möglichkeit,  Leid zu erklären. In sehr böse-überspitzter Weise hat mich Henryk Broder auf die Idee gebracht: Bei der „Deutschlandsafari“ waren sie auf Besuch in einer Synagoge, wo der Rabbi erklärte, dass die Israeliten das Volk Gottes sind, und Gott aufpasst auf sein Volk. O-Ton Broder: „Und während des Holocausts hat er dann offenbar Tee getrunken.“  :doh:  Tjo, ist zwar nicht sehr tröstlich, wenn die Gottheiten grad abwesend sind, während man massakriert wird (oder grad bei der Geburt Alexanders d. Großen helfen, während der eigene Tempel niedergebrannt wird - so passiert damals in Ephesos, wo Artemis die Hebamme geben musste), und man muss sich natürlich fragen, ob man so einer Gottheit noch vertrauen mag, die in der blödesten Situation grad Tee trinken geht oder bei einer Geburt helfen muss, aber zumindest ist es keine „bashing the victim“-Philosophie. ;)

Also, ich muss nicht atheistisch werden (auch wenn ich viele Argumente der heutigen Atheist/-innen durchaus teile), um eine menschenverträglichere Theologie bezüglich Leid und Jenseits zu erarbeiten. Auch im Götterkontext gibt es für mich brauchbare Lehren, die ich auch sehr gerne annehme. Deshalb hab ich ja auch den Thread eröffne, weil mir eben diese jüdische Jenseits-Gschicht so gut gefällt.

Bei meiner keltischen Version geht mir dann doch ein bisserl die nachtodlichie Sühnemöglichkeit ab. Jedenfalls ist da nix überliefert. Außer, dass man über das nächste Leben Schulden machen kann, die man halt dann zurückzahlen kann. Das wäre dann eine Sache zwischen den Menschen. Auch eine Möglichkeit. Wenn ich als Bösewicht sterbe, dass ich in der Anderswelt meinen Opfern begegne und die mich dann im Jenseits zur Verantwortung ziehen können. Würde mir auch gefallen, da rechtlich-menschlich nachvollziehbar.

Zitat von: "barbara"
- ja, ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass auf Ebene der Seele (nicht des Egos) ein Mensch auch mit so schrecklichen Dingen sich einverstanden erklärt, wie sexuellen Missbrauch, Folter, Krieg, Hunger, Krankheit zu erleben. Die Gründe dafür muss ich nicht kennen und nicht verstehen. Ich kann aber die Wahl dieser Seele ehren.

Ich glaube nicht an eine Seele, die nichts mit mir zu tun hat. Was soll das sein, und wofür soll das gut sein, ein Ding irgendwo zu haben, das mit mir nicht kommuniziert und gegen meinen Willen Entscheidungen trifft? Für sowas brauch ich keine Seele. Unter Seele verstehe ich irgendwo eine Art geistige eigene Persönlichkeit, das was Freud als Über-Ich beschreibt, das was ein Gewissen erzeugt oder auch einfach das eigene höhere Selbst, ein Bewusstsein, das nach dem Tod bleibt und sich verändern kann. Sowas in der Art. Jedenfalls etwas, zu dem ich Ich sagen kann. Und ich bin halt der Meinung, dass dieses Bewusstsein vor der möglichen Wiedergeburt aus dem See des Vergessens trinkt und bei Null im nächsten Leben beginnt. Und deshalb glaub ich auch nicht an Karma oder aussuchen oder so.

Zitat von: "barbara"
Es ist wichtig, die Ebenen von Seele und Ego klar auseinanderzuhalten und sie nicht zu vermischen. Sonst wird es nämlich tatsächlich zynisch und unverständlich, was es im Grunde aber nicht ist.

Da bin ich halt anderer Meinung.

Zitat von: "barbara"
Was  würdest du denn der Asylantin an dem Tag sagen, wo sie wieder ins Flugzeug Richtung Kongo steigen muss?
 

Keine Ahnung. Ich war noch nie in so einer Situation und kenne die Fälle nur aus dem „Augustin“ oder aus dem TV. Wahrscheinlich wäre ich beschämt und würde irgendwie versuchen zu trösten. Weiß wirklich nicht. Das alles ist so unpackbar, was da manchmal passiert.

Ich kann dir nur sagen, was ich gemacht habe, als ich mit meiner todkranken, leidenden Kollegin zu tun hatte. Ich hab ihr zugehört und bin auf ihre Wünsche eingegangen. Da sie trotz ihres Leids ihren Humor und ihren Lebenswillen nicht verloren hat, hab ich sie immer „tapfere Kriegerin“ genannt und ihr gesagt, dass ich in ihrer Situation längst Suizid gemacht hätte, weshalb ich sie für ihren Lebensmut bewunderte. Und wir haben miteinander Witze gemacht, und wie sie weg war, hab ich Rotz und Wasser geheult, wenn ich an sie gedacht hab. Sie selbst hat mir aber damals erzählt, dass sie bei der ersten Chemo im Spital von einer Psychotherapeutin besucht wurde, die ihr gesagt hätte, sie solle sich fragen, welchen Sinn ihre Krankheit hätte. Und meine Freundin hätte diese Therapeutin, wäre sie stärker gewesen, am liebsten dafür geohrfeigt. Ich habe meiner Kollegin gesagt, dass ich nicht glaube, dass es einen Sinn dahinter gibt, dass es ein besch*** evolutionärer Zufall ist, für den niemand was kann, am wenigsten sie selbst. Sie hat sich sicher ihre eigene Theorie über ihre Krankheit gebildet, und das respektiere ich.

Liebe Grüße

Mc Claudia
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Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #20 am: Mai 08, 2012, 15:17:21 »
Zitat von: "Athunis"
seltsamerweise existeren bei uns nur theoriegespinste über die man sich jahrelang den kopf zerbrechen mag. wie ich auch in der diskussion bemerkt habe. schamanische, hexische, druidische *g* oder voduistische oder was auch immer aufgabe war und ist es, herauszufinden WARUM etwas passiert, was der hintergrund ist beziehungsweise wie man daraus das beste holen  kann. einige ereignisse sind sehr spirituell, andere materiell, einige kann man lösen, andere kann man nicht lösen.
nur so mal meine gedanken dazu

Naja, wenn man philosophisch hinterfragt, zerbricht man sich halt den Kopf. Schnelle Antworten sind nicht immer die besten. *find*

Ich gebe Dir aber insofern Recht, dass man, was das eigene Leben betrifft, verschiedenen Dingen begegnet, die eine verschiedene Aussage und Gewichtigkeit haben. Wenn mir ein/e wie immer geartete Seelsoger/-in helfen soll, dann wäre ich mit einer zukunftsorientierten Antwort "... wie man daraus das beste machen kann." allerdings am glücklichsten. Denn die Ursache komplexer Vorfälle kann man oft nicht mehr eruieren. Die wenigsten Ereignisse sind so einfach zu erklären, wie dieses, dass man sich verbrennt, wenn man auf eine heiße Herdplatte greift. Deshalb stehe ich spirituell begründeten (oder sonstigen einfachen) Kausalerklärungen für gewöhnlich sehr skeptisch gegenüber.

Liebe Grüße

Mc Claudia
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barbara

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #21 am: Mai 08, 2012, 21:38:51 »
Zitat von: "Mc Claudia"
Ich glaube nicht an eine Seele, die nichts mit mir zu tun hat.  

daran glaube ich auch nicht.

ich bedaure, dass du das, was ich schreibe, systematisch missverstehst und/oder auf eine Weise interpretierst, die gar nichts mit dem zu tun hat, was ich zu sagen versuche.


Zitat
Da bin ich halt anderer Meinung.

keine Ahnung. Ich könne eine Ahnung gewinnen, wenn du auf meine Meinung tatsächlich eingehen tätest.


Zitat
Sie selbst hat mir aber damals erzählt, dass sie bei der ersten Chemo im Spital von einer Psychotherapeutin besucht wurde, die ihr gesagt hätte, sie solle sich fragen, welchen Sinn ihre Krankheit hätte. Und meine Freundin hätte diese Therapeutin, wäre sie stärker gewesen, am liebsten dafür geohrfeigt.

Inhaltlicher Sinn und kommunikative Trampeligkeit schliessen sich gegenseitig nicht notwendigerweise aus.

Allerdings ist der "Zufall" auch kein Trost. Der lässt Leute im Leeren hängen.

grüsse, barbara
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dagaz

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #22 am: Mai 09, 2012, 02:25:01 »
Zitat von: "barbara"
Allerdings ist der "Zufall" auch kein Trost. Der lässt Leute im Leeren hängen.

ist halt eher was für die tapferen...
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dæg byþ drihtnes sond - deore mannum
mære metodes leoht - myrgþ ond tohiht
eadgum ond earmum - eallum brice

Giles

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #23 am: Mai 09, 2012, 07:27:05 »
@Teetrinken während des holocaust: ein lieber freund hat mir eine interpretation näher gebracht, die schon irgendwo stimmig ist: nachdem die sintflut mit Gottes versprechen endete, sowas nicht wieder zu veranstalten, ist es nicht sein werk. Es ist das werk der menschen, das er respektiert, so schrecklich es auch ist, als ergebnis des freien willens. Ergebnis: man nehme sich selbst bei der Nase statt bei der eines Gottes.
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homo homini lupus

barbara

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #24 am: Mai 09, 2012, 08:42:36 »
Zitat von: "dagaz"
ist halt eher was für die tapferen...

Das versteh ich nicht. was hat das Gefühl von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit mit Tapferkeit zu tun? mir scheinen das  zwei ziemlich entgegengesetzte Qualitäten zu sein.

grüsse, barbara
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Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #25 am: Mai 09, 2012, 09:34:26 »
Hi Giles,

auch mit dieser Aussage kann ich was anfangen. Fällt dann bei mir unter "freies Spiel der Kräfte". Gott/Gött/-innen können dann eben nur trösten oder stärken aber nix dagegen konkret machen ...
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #26 am: Mai 10, 2012, 15:53:54 »
An alle, die über Karma weiterdiskutieren wollen: ich habe einen extra Thread aufgemacht:

viewtopic.php?f=3&t=801

Ich würde gerne hier wieder aufs Judentum zurückkommen. Sorry fürs offtoppic-Werden.

Danke

Mc Claudia
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Mc Claudia

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #27 am: Mai 10, 2012, 15:58:14 »
Eine weitere Sache, die mir am Judentum sympathisch ist (im Gegensatz zu Christentum und Islam) und die "heidnisch" ausschaut, ist, dass es sich um eine Gesetzes- und Ritualreligion handelt, weniger um eine des Glaubens.

Ich nehme zwar an, dass der gläubige Jude auch an die Existenz seines Gottes glaubt, aber ob und wie tief er das macht, ist ziemlich wurscht. Wichtig sind die Einhaltung der Gesetze und Regeln und Einhaltung der Rituale. Eine ähnliche Denkungsweise gab es auch in der Antike. Kein Römer wäre auf die Idee gekommen zu fragen, ob jemand an die Gottheiten glaubt. Hauptsache, man brachte ihnen die angemessenen Opfer.

Böse Zungen meinen aber, dass dieser Zugang oberflächlich ist, weil es ja umgekehrt nicht viel Sinn hat, jemandem zu opfern oder zu ihm zu beten, an dem man nicht glaubt. Jedenfalls gibts auch viele atheistische Jüd/-innen.

Grundsätzlich liegt aber der Fokus auf der korrekten Form, auf Gesetzestreue und Ritualeinhaltung, nicht auf dem inneren "wahren" Glauben.

Soweit ich das bis jetzt verstanden habe.  :)
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Athunis

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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #28 am: Mai 11, 2012, 12:52:42 »
ich weiß nie, wie es zu einer diskussion kommt, aber schön das es dir sympathisch ist. willst du dieses gedankengut nun in deinen "glauben" oder in dein system einbauen oder nicht?

ich glaube in vielen,  traditionell verknüpften praktiken, hinterfragt man nicht auf unsere weise die existenz einer geistigen welt mit ihren geistern, göttern und wesen.
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Re: Was mir am Judentum sympathisch ist
« Antwort #29 am: Mai 11, 2012, 15:16:44 »
Hi Athunis,

ich weiß es (noch) nicht, bzw. einiges glaube ich auch:

Also: Die von mir präferierte jüdische Jenseitsvorstellung gefällt mir sehr gut und kann ich mangels keltischer Quellen zum Jenseits durchaus einbauen. Ich könnte mir z.B. durchaus eine Art Andersweltgericht vorstellen, wo man mit dem Vorleben konfrontiert wird, alsdann käme man in eine paradiesische Anderswelt, wie sie in den irischen Mythen oft beschrieben wird, und vielleicht wird man danach auch wiedergeboren.

Die Sache mit dem Focus auf Gesetz, Tabu und Ritual war bei den Kelten - wie bei anderen heidnischen Systemen - sicherlich usus. Der Focus auf dem Glauben ist eher eine neue religiöse Erscheinung.

Einerseits finde ich diesen Zugang sympathisch, andererseits auch nicht. Sympathisch am Ritualfokus ist mir, dass man sich als Anhänger/-in der Religion geistig frei fühlen kann, spekulieren kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Mein Glaube wäre sozusagen Privatsache. Wichtig sind die korrekten Rituale, die Äußerlichkeiten, um die Pax Deorum sicherzustellen. Also innerhalb meiner Religion finde ich die Rituallastigkeit sympathisch, weil der persönliche Zugang und Glauben diskutapel bleibt.

Weiters ist es auch kein Problem, wenn bei einem z.B. neokeltischen Ritual alle möglichen Leute mitfeiern. Es ist mir egal, ob die Leute da dran glauben oder nicht, ob sie das gut finden oder nicht. Wenn sie mitfeiern wollen, reicht mir das an und für sich.

Andererseits frag ich mich als moderner Mensch natürlich schon, warum ich ein Ritual für eine Gottheit machen soll, an die ich nicht glaube, bzw. die mir wurscht ist oder deren Existenz ich leugne. Das ist sicher ein moderner Ansatz, aber für mich auch irgendwo wichtig.

Weiters andererseits denke ich zwar heidnisch gesehen schon, dass die Gottheiten Riten und Gebete und Opfer gern haben, und dass man als jemand, der sich da den Gottheiten verschrieben hat, ihnen damit auch huldigen sollte, um eben die pax deorum aufrechtzuerhalten. Andererseits kann ich als aufgeklärter Mensch und auch nach eigenen Erfahrungen nicht dran glauben, dass jetzt der große Zorn der Gottheiten über mich kommt, wenn ich das eine oder andere Ritual mal verpasse oder nicht mache. Das unterscheidet mich dann auch doch wieder von der antiken (und auch jüdischen) Denkweise. Ich hab da irgendwo so einen Mittelweg.

Die Gesetzestreue orthodoxer Juden ist natürlich krass. Die haben glaube ich mehr als 600 Vorschriften zu beachten, die je nach Modernität auch angepasst werden. Bei aller Liebe zu klaren Richtlinien, finde ich es dann doch überzogen, wenn man z.B. beim Sabbath nur hydraulisch betriebene Maschinen verwendet, weil Feuer machen (also auch elektrische Geräte einschalten) verboten ist. Hier rede ich lieber Jesus das Wort, dass der Mensch wichtiger sei als das Gesetz.

Das do-ut-des-System wiederum praktiziere ich selbst. Wobei das im Judentum, so wie ich das verstanden habe, eher auf Israel, aufs ganze Volk angewandt wird. Gott hat die Juden aus der Sklaverei in Ägypten geführt, und jetzt haben sie dem Gott dafür zu gehorchen, tun sie es nicht, gibts Haue. Ich sehe das do-ut-des-System eher persönlich. Ich gebe Opfer, Gebet, Ritual, meine Hingabe an die Gottheiten und erwarte mir die Erhörung meiner Gebete. Wie ein Vertrag. Erfülle ich mein Gelübde nicht, könnte ich einen Schicksalsschlag vielleicht als Strafe der Gottheiten deuten. Erfüllen sie meine Gebete nicht (trotz Opfer), verweigere ich meine Opfer. Ich sehe das eher gleichberechtigt. Vom Prinzip ists aber ähnlich.

Was mir am Judentum noch gefällt, ist der rationale Zugang zu den Schriften. Der Talmud wird gelesen, verschiedenst gedeutet, darüber diskutiert und mehrere Meinungen dazu nebeneinander stehengelassen. Es bleibt - so wie ich das sehe - eine offene Diskussion darüber. Dieser Zugang gefällt mir äußerst gut, und ich pflege das auch im Celtic Recon: Die Quellen sind da, für alle einsehbar, und jede/r kann diese Quellen für sich auf seine Art nutzen und deuten, und im Prinzip sind alle Deutungen gleich viel wert und können nebeneinander stehen. (Ausnahme: ethische Dinge, die müssen gesondert diskutiert werden).

Grundsätzlich ist es der pragmatische, diesseitsbezogene Zugang des Judentums, der mir sympathisch ist, und den ich auch in meiner Religion pflege.

Liebe Grüße

Mc Claudia
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