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Autor Thema: Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges  (Gelesen 2750 mal)

Niwi

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Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges
« am: Februar 11, 2017, 17:20:19 »
Hallo!
Ich will mal ein sehr umfangreiches Thema anreissen.
Wie steht ihr zur veganen oder vegetarischen Lebensweise im Zusammenhang mit eurem Glauben?
Ist diese Lebensweise erstrebenswert um weniger Leid in dieser Welt zu produzieren oder ist eh schon alles Wurst, im wahrsten Sinne des Wortes?
LG
Niwi

Baldur

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Re: Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges
« Antwort #1 am: Februar 12, 2017, 07:19:31 »
Also was meinen Glauben im Zusammenhang mit vegetarischer Lebensweise angeht, ehe ich das sehr pragmatisch. Fact ist, dass früher wesentlich weniger Fleisch gegessen wurde, als heute. Wenn bei Bauern geschlachtet wurde, war das oft ein Fest für das ganze Dorf. Es wurden hauptsächlich regional und saisonal Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Eier, etc. gegessen. Ein Grundnahrungsmittel welches es fast täglich gab war ein Brei aus Mehl und Milch mit Honig gesüßt. So gesehen stellte sich früher die Frage ob vegan, vegetarisch oder nicht. Fleisch gab es hauptsächlich nur bei den Feudalherren mit den überlieferten oft 12gängigen Gelagen. Da die Menschen früher meist auch nicht so alt wurden wie heute, stellte sich weiters auch nicht die Frage nach Mangelernährung. Medizinisches Wissen bzw. medizinische Versorgung waren de facto nicht vorhanden, schlecht Zähne, an denen man auch sterben konnte, waren an der Tagesordnung.
Heute weiss, man das alles, und es gibt jede Menge Nahrungsmittelergänzungsmittel um jede Art von Mangel ausgleichen.
Das Thema vegan oder nicht, ist erst mit der Idustrialisierung und MAssentierhaltung aufgekommen und sozusagen ein Produkt der modernen Zeit. Fleisch ist allgegenwertig, billig und jederzeit zu haben.
Zwei Dinge die mich stören, will nichts desto trotz erwähnen. Was ich  nicht mag, sind militante Vegetarier, die "Fleischesser" um jeden Preis zu missionieren versuchen. Weiters finde ich pervers, dass "fleischige" Lebensmittel künstlich vegetarisch in Form, Farbe und Geschmack nachgebildet werden. Wenn jemand findet, er will beispielsweise keine Hendlhaxen essen, dann ist es irgendwie krass, eine künstliche Hendlhaxe aus wasweisich zu essen. Dies ist inkonsequent.
Mit dem Glaubn hat das alles meines Erachtens nichts zu tun. Aber etwas bewusster mit dem Lebensmittel Fleisch umzugehen ist sicher kein Fehler.

asaheil ok vana
Baldur

Herdwart des Eldaring für Österreich
Ich bin nicht Asatru weil ich einen Hammer trage,
ich trage einen Hammer weil ich Asatru bin.
http://www.asatru.at
„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit; aber bei dem Universum bin ich mir

Niwi

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Re: Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges
« Antwort #2 am: Februar 12, 2017, 10:52:13 »
Guten Morgen Baldur!
Danke für Deine ausführliche Antwort! Diese deckt sich im Großen und Ganzen auch mit meinen Ansichten, bis auf ein paar Ausnahmen.

Vegane oder vegetarische Lebensweisen gab es auch schon früher, vor der Massentierhaltung etc. Nur war es  in der breiten Bevölkerung kein Thema, unter anderem wegen den von Dir oben beschriebenen Punkten (zu wenig zu essen, geringe Lebenserwartung). 
Aber gerade die herausragendsten Persönlichkeiten in Religion,  Kultur und Geschichte befassten sich mit diesen Themen. Das gibt mir natürlich zu denken.

Militante Veganer kenne ich keine persönlich. Aber solche gibt es natürlich! .
Ich denke aber, daß es viel mehr militante Fleischesser gibt. Nur fällt es nicht so auf, weil das der "Normalzustand" ist. "Es ist normal, Fleisch zu essen und abnormal kein Fleisch zu essen."

Die Sojasachen in Schnitzelform oder Hühnchenform, ja komisch ist das.
Aber nicht verwunderlich. Manche mögen am Tisch nicht auffallen....

Ich selber strebe diese Lebensweise an, schaffe es aber nie länger als 1 Jahr die veganen oder vegetarischen Phasen durchzuhalten.
Das liegt auch viel am sozialen Umfeld.  Meine Freunde fast alle Fleischesser. Wenn ich eingeladen werde, möchte ich der Hausfrau keine Umstände machen.
Bei mir ist ein weiteres  Problem der Zeitmangel. Wenn man sich für so eine Lebensweise entschließt, dann muss man sich zwangsläufig auch mit Ernährungswissenschaften auseinandersetzen.

LG
Niwi







Funkelchen

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Re: Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges
« Antwort #3 am: Februar 15, 2017, 16:24:08 »
Huhu, alles kann ich soweit verstehen und weitgehendst auch teilen.
Aber wenn gegrillt wird und es liegt Fleisch neben Gemüse und das "darf" nicht sein, dann "zuck" ich aus und wenn ich eine andre Zange nehmen muss, als Gastgeber... dannn.... naja... ;-)

Ich bin als "Fleischfresser" groß geworden und wenn wir ein Tier "geschlachtet" (ja wir haben auch geschlachtet!!!) haben, dann wurde alles was ging verwertet und mit Respekt gegessen. So verstehe ich nicht, dass heute Innereien "verachtet" werden. Ich habe gerne Nieren "Niernderl" gegessen und bekam auch als Kind "Hirn mit Ei" zu essen. Gegen eine geröstete oder gebackene Leber habe ich nichts einzuwenden und ein Beuscherl ist nicht zu verachten, auch Zunge gab es bei uns immer wieder mal zu essen. Ich sehne mich nach echten "Schweinshaxerl" usw. Jeder soll so leben, wie er mag und jeder soll jeden leben lassen. ! meine 10 Cent dazu ! :-)
lg
« Letzte Änderung: Februar 15, 2017, 16:27:54 von Funkelchen »
"Am besten schmeckt Spinat wenn er 2 min. vor dem Verzehr durch Steak ersetzt wird!" :-)

Mc Claudia

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Re: Vegan - Vegetarisch? Versuch eines ganzheitlichen Weges
« Antwort #4 am: Februar 25, 2017, 19:30:44 »
Slania Niwi,

ich schließe mich meinen Vorposter/innen an.

Zu Deinen Fragen:
>Ich will mal ein sehr umfangreiches Thema anreissen.

Jo stimmt. Ist vor allem global von großer Wichtigkeit!

>Wie steht ihr zur veganen oder vegetarischen Lebensweise im Zusammenhang mit eurem Glauben?

Also meine Religion (keltisches Neuheidentum - CR) hat nix dagegen, denn die ollen Kelten fraßen auch Fleisch. Wie Baldur schrieb, früher aber definitiv weniger. Und das meiste bei Festen, wo die Tiere geopfert wurden, Ungenießbaren den Gottheiten geopfert wurde und der Rest das Festmahl der Feiernden war (dasselbe Vorgehen ist in ähnlicher Weise bei vielen ethnisch-religiösen Bauernkulturen üblich. Hindus und Buddhisten sind global gesehen eher die Ausnahme.)

Einige Moorleichen in Irland, die nach wissenschaftlicher Untersuchung sehr viel Fleisch vor Ihrem Opfertod gegessen hatten, dürften Adlige gewesen sein. Also auch in der keltischen Eisenzeit war es offenbar schon üblich, dass Leute mit Geld (also meist Adlige) mehr Fleisch genossen als ärmere Bauern oder Sklaven. Hat sich bis zur Industrialisierung nicht geändert.

Lustigerweise ist es heute umgekehrt. Billiges Fleisch wird von Armen gegessen, während viele Reiche vollkrass auf die eigene Gesundheit schaun und alle möglichen lustigen Diäten machen.

Meine Religion hat also nix gegen Fleisch - einige Stämme hatten aber einige Tierspeise-Tabus (also ähnlich wie Schweineverbot bei Juden und Muslimen) - ist aber von Stamm zu Stamm verschieden gewesen (und mir persönlich egal). Hier habe ich damals alles zusammengeschrieben, was ich zu den Kelten fand:
http://www.celticcafe.at/index.php?topic=135.0

>Ist diese Lebensweise erstrebenswert um weniger Leid in dieser Welt zu produzieren oder ist eh schon alles Wurst, im wahrsten Sinne des Wortes?

Also global gesehen ist weniger Fleischgenuss, v.a. Rindfleisch u.ä. (also von großen viel fressenden Tieren, die CO2 furzen) auf jeden Fall super. V.a. wegen der Urwaldzerstörung, weil dort Soja für die Viecha angebaut wird. Dass alle Menschen ovolaktovegetarisch oder gar vegan leben werden (wollen), bezweifle ich. Wir würden schon viel erreichen, wenn die, die zu viel Massentierhaltungsfleisch essen, weniger Fleisch essen, und wenn sie die Kohle und die Möglichkeiten haben, sich Bio-Fleisch leisten, weils diesen Tieren besser gegangen ist und sie auch kein Urwald-Soja zu fressen bekommen haben. Auch Rinder, die - wie eigentlich üblich - nur Gras/Heu fressen, furzen weniger CO2 als Rinder, die Kraftnahrung bekommen.

Ethisch gesehen bemühe ich mich, mich, wann immer möglich, an Bio-Fleisch zu halten. Im Zweifel zählt aber mein Gusto. Dass Tiere getötet werden, ist logisch (hab ich auch schon einige Male gemacht.) Aber solange die Wissenschaft kein Kunstfleisch erfindet, das haargenauso (und keinen Millimeter anders) schmeckt als ein leckeres Fleisch, bleib ich bei getöteten Tieren, weil sie mir viel zu gut schmecken. Würden sie mir nicht schmecken, würde ich sie auch nicht essen.

LieGrü

Mc Claudia