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  • Oktober 27, 2020, 04:24:07

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Autor Thema: Glaubenskrise  (Gelesen 17807 mal)

Mc Claudia

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Glaubenskrise
« am: Juni 08, 2012, 14:58:37 »
Was glaube ich eigentlich?

In den letzten Jahren bin ich immer mehr zur Ungläubigen geworden. Bei genauer Betrachtung glaube ich eigentlich nur mehr an meine Gottheiten und teilweise noch an Magie, aber beides auch nicht mehr 100%ig, also so ohne „wenn und aber“.

Die neuen Atheisten und ihre radikalen Ansichten finde ich zum Großteil sehr ansprechend. Ich bin auch für eine strikte Trennung von Religion und Staat, ich bin auch dafür, dass Religion eine Privatsache sein sollte, ich bin auch der Meinung, dass man kein besserer Mensch ist, nur weil man einen religiösen Glauben hat, ich bin auch der Meinung, dass ein Oberhaupt einer religiösen Gemeinschaft nicht mehr Recht haben sollte, öffentlich über ethische Fragen zu reden als andere Menschen, ich bin auch der Meinung, dass es zwischen objektivierbarem Wissen und religiös-magisch-spirituellem Glauben bzw. solchen Erfahrungen einen gravierenden Unterschied gibt, ich bin auch der Meinung, dass man also Religion und Wissenschaft im Diskurs trennen sollte. Ich bin auch der Meinung, dass Meinungsfreiheit vor Religionsfreiheit kommt, v.a. wenn es um Karikaturen, Religionskritik und solche Sachen geht. Ich bin auch der Meinung, dass Homöopathie, Kinesiologie und ähnliches zu den Pseudowissenschaften zählt.

Wenn ich Artikeln auf dieseen Websites lese, nicke ich, wenn auch nicht immer, so doch oft zustimmend zu:

http://www.freidenker.at/index.php/news.html

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/

http://www.gwup.org/

http://www.esowatch.com/

...

Als ich Richard Dawkins „Gotteswahn“ gelesen habe, habe ich mir nach der Lektüre des atheistischen Wälzers ernsthaft überlegt, wie es wäre, wenn ich Atheistin würde. Vieles in meinem Leben wäre gleich. Ich hätte dieselbe Ethik, ich hätte ähnliche Hobbies, ähnliche Freund/-innen, wäre in meiner Persönlichkeit nicht viel anders.

Wofür brauche ich meine Gottheiten? Warum verehre ich sie? Warum knie ich vor ihnen und singe Hymnen für sie? Warum ist mir das Keltische, das Polytheistische, die Rituale, die Andachten, die Kultplätze, die antiken Religionen, die Opfergaben, warum ist mir das so wichtig, was gibt mir das, wenn doch rein rational gesehen alles auch ohne Gottheiten sehr gut erklärt werden kann?

Würde es nicht reichen, einfach bei einer Fantasy-Community teilzunehmen, wo man auch so ähnliche Sachen macht? Also „Religion“ im Spiel?

Ich habe lange reflektiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich meinen Götterglauben brauche. Ich verehre die Gottheiten nicht, weil ich Angst vor ihnen habe, ich weiß ja nicht mal, ob sie wirklich existieren, oder ich mir das nur einbilde.

Ich verehre sie auch nicht, weil ich ohne sie nicht leben könnte, natürlich könnte ich.

Ich verehre sie auch nicht, weil ich der Meinung bin, dass die Welt schlechter wäre, wenn ich es nicht täte.

Ich verehre sie auch nicht, weil ich spirituell irgendwas werden will (z.B. erleuchtet oder so).

Die einzige ehrliche Antwort, die ich mir auf diese Frage letztlich geben konnte, war, dass ich die Gottheiten verehre, weil es mir unheimlich Freude bereitet und mich innerlich befriedigt. Ich habe einfach ein Herzensbedürfnis danach. Mein Leben wäre irgendwie leerer ohne meine Gottheiten, ohne meine Verbindung und die Andachten und das alles.

Sie geben mir emotionalen Halt, geleiten mich manchmal, wenn ich nimmer weiter weiß. Und es macht mir Freude, Andachten zu machen und Rituale, mir schöne Gebete und solche Sachen für sie auszudenken. Es macht mir Spaß, die kelt. Gottheiten zu erforschen - mit dem Hirn und mit dem Herzen.

Aber abgesehen davon, abgesehen von meinem polytheistischen Herzensglauben bin ich irgendwie sehr skeptisch und „atheistisch“ geworden. Es fällt mir äußerst leicht, mich in die Gedanken der Atheist/-innen hineinzudenken, sie zu verstehen. Wenn das nicht so ein doofer Widerspruch wäre, würde ich sagen, ich bin eine atheistische Polytheistin.

Wie auch immer, vieles, was in der Neuheidenszene üblich ist zu „wissen“ oder zu „glauben“, glaube ich definitiv nicht, wehre mich auch dagegen. Karma z.B., oder dass Magie immer wirkt, oder diverse alternative Heilmethoden, oder dass es spirituelle Meister/-innen gibt, die so toll sind, weil sie spirituell „weiter“ sind oder so. Vieles ist mir einfach fremd oder zuwider (geworden).

Ich glaube, ich müsste meinen persönlichen Glauben um dem Begriff „reformiert“ oder „aufgeklärt“ oder „freidenkerisch“ erweitern. Korrekt würde ich also sagen, ich bin freidenkerische keltisch-polytheistische Neuheidin.

Tatsächlich hat sich mein Ich in den letzten 12 Jahren immer mehr vom Esoterisch-magisch-Gläubigen hin zum Wissenschaftlich-rationalem Denken entwickelt. Meine Gottheiten brauche ich trotzdem, will ich auch nicht missen. Aber ich muss mich wohl irgendwie neu verorten, denn mit dem Gros der Neuheiden und Naturspirituellen verbindet mich bei allgemeinen Ansichten über vieles im esoterisch-alternativ-naturspirituellen Bereich weniger als früher.

Komisch das.

Soweit meine Gedanken.

Keine Ahnung, ob sich daraus nun eine Diskussion entwickelt oder nicht, oder ob auch andere Zweifler/-innen hier sind, die sich mitteilen möchten. Mir wars einfach nur mal ein Bedürfnis, das los zu werden.

Liebe Grüße

Mc Claudia
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

barbara

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #1 am: Juni 11, 2012, 12:32:26 »
Zweifel und Widersprüche sind immer gut, denn sie bringen einen weiter und geben den Anstoss, umfassendere Perspektiven zu suchen.

Ich sehe die Tendenz durchaus dahin, dass jeder Mensch seinen eigenen religiösen/spirituellen/weltanschaulichen Weg sucht, und die leichte Verbreitung von Information durchs Internet macht es möglich, die Sichtweisen von vielen verschiedenen Traditionen weltweit kennen zu lernen, darunter auch oft sehr speziellen Richtungen, die nur sehr wenige Mitglieder haben - und sich je nach Gefallen und je nachdem, was man selbst als sinnvoll, nützlich und ansprechend beurteilt, sie sich zu eigen zu machen.

Fazit: alles in Butter, alles bestens :)

grüsse, barbara
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #2 am: Juni 12, 2012, 13:42:31 »
Ich steh auf Butter. Danke Barbara.   :D  :kuss:
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Giles

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #3 am: Juni 12, 2012, 21:43:26 »
liebe Claudia,

es geht ja nicht darum, in ein kasterl zu passen sondern aus ihnen heraus zu steigen. wie man was nennt ist, ausnahmen solls geben, nicht immer sooooo wichtig, sondern wies gemeint ist. Dein weg, Deine begriffe, Deine welt. Jede "glaubensrichtung" gleich welcher couleur ist ja auch nur eine weggemeinschaft, eine wandergruppe sozusagen. in einer solchen fallen auch jedem andere dinge auf, y sieht ein reh, x eine schlange, etc. insofern geht es ums gehen, nicht ums ankommen  ;)

alles liebe
Wolf
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
homo homini lupus

Seth

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #4 am: Juni 13, 2012, 09:22:30 »
Das war's?
Mehr fällt euch dazu nicht ein?

Was McClaudia da erklärt ist kein Einzelfall.
Ich würde sagen es ist ein Trend.
Es ist nicht nur sie, die so denkt.

Dieses Gotteswahn hab ich mir auch mal gekauft.
Aber allein das, was er faktisch zu Religionen beiträgt, wenn er sie beschreibt, ist faktisch falsch. Er dreht und wendet es, wie er es braucht.
 UND was er typisch wissenschaftlich macht, hat mich derart angewidert, dass ich mir gesagt habe:
DU ARSCH. Was nicht in dein RASTER passt, ist für DICH auch nicht WERT, dass DU drüber nachdenkst?
ABER SO argumentiert ein Atheist. Alles Quatsch. Ich bin die Wahrheit. NEIN, ist er nicht.
ER hat, was die noch existierenden Religionen angeht , keine Sachkenntnis bewiesen. Er beschreibt sie faktisch falsch. Und DAS systematisch durchweg. So hat er von (fast) der ersten Seite an seine Autorität verloren.
Er mag ein guter Wissenschaftler sein. Und als solcher ist er dem Darwinismus und somit dem Atheismus verpflichtet, aber dieses Buch hätte er nicht schreiben sollen. Es hat ihn, und er sich selbst, in  Ehrlichkeit und Objektivität: nach ganz weit Außen gestellt.
SORRY für ihn.

Aber das, was McClaudia an Überlegungen anstellt, ist im Prinzip nicht neu.
Es gibt Phasen im Leben eines Menschen, in denen er sich enfach gegen den ständigen Druck, gegen die Dauerberieselung durch die Medien nicht mehr wehrt. Er verliert sich selbst. Er wird zur Masse. So wie alle anderen auch.
Ich habe "Gott" schon so oft verflucht, ihn schon so oft als Scharlatan entlarvt. Mit seinen Pseudorealitäten, seinen Gaukeleien, die er Realität nennt. Aber am Ende musste ich doch immer wieder einsehen: Jeder Mensch bestimmt sein Leben selbst. Und daran führt kein Weg vorbei. Die Rahmenbedingen genauso wie die Einzelheiten. Und auch DAS ist ein Trend, den immer mehr Menschen einsehen.
Aber das, was man über Darwinismus in der Schule zwangsgelehrt bekommt, neben Lesen und Rechnen, ist Präsent. Ein Leben lang. Andere Gesellschaften, die eben nicht den Darwinismus in der Schule gelehrt bekommen haben keine Glaubenskrisen. Seltsam.

soweit von mir.

Als ich die überschrift las, dachte ich, dass sich dahinter mehr als vier Antworten verbergen. Aber - man täuscht sich halt selbst...immer und immer wieder.
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Manche sagen, es ist Magie. Ich nenne es unerkannte Wissenschaft - oder Dasein.

Babsi

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #5 am: Juni 13, 2012, 19:15:04 »
Zitat
Als ich Richard Dawkins „Gotteswahn“ gelesen habe, habe ich mir nach der Lektüre des atheistischen Wälzers ernsthaft überlegt, wie es wäre, wenn ich Atheistin würde.

So gings mir auch, ich musste mal ganz schnell das meiste aus diesem Buch verdrängen um überhaupt noch meine "Religion" "spiritualität" whatever, weiterführen zu können  :weißnicht:

Es ist toll, das du soweit reflektierst, um zu sagen, du evrehrst dein Götter weil es dir Spaß macht, Hobby und so, weil du sonst emotional leerer wärst, aber ist das nicht ...hm, das heißt doch deine Götter sind mit allem anderen was dich emotional erfüllt X-beliebig austauschbar. (Ein anderer geht z.B surfen weil er sonst aus dem Gleichgewicht kommt).
Im Endeffekt reduziert man so doch seinen Glauben auf nichts anderes auf eine Spinnerei, die man macht, damits einem besser geht. Realitätsflucht sozusagen ;)

An sich ist das alles nichts schlechtes (vor allem, solange man selbst so weit ist und das für sich selbst reflektieren kann) und, ich muss sagen, ich gehör da auch dazu. Stimme mit den Atheiste sehr überein, habe ein sehr rational/wissenschaftliches Weltbild entwickelt und doch...hör ich mit meiner "spiritualität" nicht auf. Eben weils Freude bringt. Und weils mir damit gut geht. Aber dieser Zwiespalt im Kopf dauernd!...  :ugly:
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern:
"Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!"
Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

Nachtfalke

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #6 am: Juni 14, 2012, 00:40:22 »
Zitat von: "Babsi"
Im Endeffekt reduziert man so doch seinen Glauben auf nichts anderes auf eine Spinnerei, die man macht, damits einem besser geht. Realitätsflucht sozusagen ;)
Die Realitätsflucht sucht jeder (vernünftige) Mensch. Mindfuck ist schon ok. Andere hocken sich stundenlang vor den PC und zocken, schauen weig lang irgendeinen Schwachsinn im TV, andere betreiben Sport, andere Kunst, ich hör Musik und geh auf Konzerte um abzuschalten oder geh raus...

Das ist auch vollkommen okay. Wenn jemand seine "Realitätsflucht" in den Göttern und Ritualen sucht - why not? Rituale geben ja auch Sicherheit und Rückhalt um nicht ver-rückt zu werden. Das ist für eine stabile Psyche durchaus sinnvoll. Andere trinken ihren Kaffee in der Früh oder ihren Nachmittagstee, lesen vor dem Einschlafen irgendeinen Roman oder haben andere "Rituale".

Irgendwie springt mir bei dir McC die ganze Zeit das Wort "Spiritualität" in den Kopf. Was bedeutet die für dich? Hat sie in deinem Leben einen Stellenwert? Welchen? (musst ned öffentlich antworten, nur für dich zum Nachdenken)
Ich für meinen Teil hab auch immer wieder meine "Krisen", allerdings sind das dann mehr Zweifel am Sinn des Ganzen :) dauern aber auch nur solange, bis ein Ereignis eintritt, welches mich in meinem Tun bestätigt :D

Ist denn das, was du verdrängst so essenziell für dich? Oder wills vielleicht doch in den Vordergrund (ich denk mir, du wirst ja irgendwo Zweifel haben, sonst würdest du den Thread ja nicht schreiben).
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Gruß,
Nachtfalke

"Wenn du etwas riskierst, dann lebst du vielleicht nicht lange. Aber solange du lebst, ist dein Leben wirklich großartig. Ein Leben ohne Risiko ist sowieso nicht real." (Charles "Chongo" Tucker III)

barbara

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #7 am: Juni 14, 2012, 07:40:01 »
Vielleicht ist "Realitätsgestaltung" ein besseres Wort als "Realitätsflucht"? oder zumindest ist vielleicht wichtig mal darüber nachzudenken, welche Verhaltensweise sinnvoller eine Flucht vor Realitäten sind und welche nicht?

ich persönlich habe meien spirituellen Praktiken immer eher als eine genauere Wahrnehmung der Welt empfunden, also eine Vergrösserung der Realität, und eben gerade NICHT als ein Ausblenden unangenehmer Tatsachen. Auch dann, wenn spirituelle Praktiken nicht auf Rationalität und logischem Denken basieren. das müssen sie auch nicht.

grüsse, barbar
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #8 am: Juni 15, 2012, 16:13:48 »
Hi Wolf,

Danke für die Aufmunterung. Lieb von Dir! :kuss:

Hi Barbara,

sehe ich genau so! Danke.
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »

Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #9 am: Juni 15, 2012, 16:14:11 »
Hi Seth und alle,

Deine Schreibe ist wieder mal ein Beispiel für meine „Krise“. Denn von Richard Dawkins & Co fühlen sich ziemlich viele Religiöse/Magische beleidigt, angegrobst etc. Ich persönlich fand das Buch cool, auch wenn es einige logische Unschärfen hat. Und genau deswegen, weil ich als
eigentlich religiöser Mensch mich von atheistischer Kritik nicht angegrobst fühle, viele andere aber schon, hab ich irgendwie das Gefühl, ein Alien in der Heidencommunity oder der „religiösen“ Community zu sein. Nein, ich fühle mich nicht beleidigt, wenn ein Atheist meint, meine Gottheiten wären nur meine Einbildung. Na und? Mir wurscht. Ich würde mich eher angegrobst fühlen, wenn z.B. ein Monotheist meinte, meine Gottheiten seien nur Götzen, denn es gäbe nur einen Gott, denn seinen einen Gott kann er genauso wenig beweisen wie ich meine Vielen. Das find ich doof.

Und nein, es war kein Trend, der mich zum „Kriseln“ brachte. Ausschlaggebend für meinen allmählichen Paradigmenwechsel waren schon vor mehr als zehn Jahren drei Dinge:

1. Die Diskussionen über saubere Beweisführung mit Keltolog/-innen Ende der 1990er Jahre. Durch sie habe ich angefangen zu lernen, wie man richtig Schlüsse zieht. Und Raimund Karl hat mir Mitte der 2000er Jahre den Tipp gegeben, (wissenschaftlich) Beweisbares und (glaubendes, religiöses) Unbeweisbares in meiner Arbeit über die kelt. Religion auseinanderzuhalten. Diesen Tipp habe ich dankbar aufgenommen und kann damit super leben.

2. Das Buch von Simone de Beauvoir „Das andere Geschlecht“, das mir zum ersten Mal (etwa 2000) über den dekonstruktovistischen Feminismus ein Geschlechterdenken jenseits des Mythos vermittelte, was auch für meine weitere Hinwendung zu kritischem Denken maßgeblich war.

3. Mein erster Kontakt mit Erkenntnistheorie während meiner Studienberechtigungsprüfung 2001, wo ich die Ideen von Karl Popper und seinem Kritiker Paul Feyerabend kennenlernte, wobei ich anfangs eher Feyerabend das Wort redete, später aber (bis dato) Popper zu schätzen wusste.

Das heißt, dass ich in späterer Zeit dann einige atheistische Werke verschlang, war die Folge von meinem bereits stattfindenden Paradigmenwechsel, nicht unbedingt der Auslöser.

Zwar habe ich während der Dawkins-Lektüre, wie ich schrieb, tabula rasa gemacht, um zur Essenz meines Glaubens zu finden (dafür bin ich ihm sogar dankbar - denn m.E. kommt man nur über Kritik zu Erkenntnissen - egal ob Selbstkritik oder Kritik von anderen) - aber ich war auch schon zuvor längst sehr skeptisch gegenüber gewissen Glaubensinhalten und -praktiken, habe schon in dein 1990er Jahren meine „Krisen“ mit „spirituellen Führern“ u.ä. gehabt, war auch schon vorher eine Querdenkerin, die sich nicht alles erzählen hat lassen.

Die drei Punkte meiner Erkenntnis haben mich lediglich dorthin geführt, wo ich im Herzen zwar schon teilweise war, es aber nicht wirklich benennen konnte, weil mir der rationale oder der wissenschaftliche erkenntnistheoretische Diskurs völlig fremd war. Ich habe in den 1990ern und auch teilweise noch später dieselben Argumente gegen die „bösen Wissenschaftler“ angeführt wie viele Esoteriker und Neuheiden heute es auch tun. Hätte ich damals schon was über wissenschaftliches Arbeiten erfahren, hätte ich vielleicht schon damals anders gedacht.

Meine jetzige Krise (oder wieder-mal-Krise - geht ja schon länger) betrifft ja eigentlich weniger meinen Götterglauben an sich - mit meinen zwei Paradigmen (dem religiösen und dem rationalen) kann ich ja selber super leben - sondern meine Verortung in dieser Szene hier. Das heißt, für mich stellt sich nach so Diskussionen, wo es scheint, dass ich die einzige bin, die ein rationales Weltbild vertritt, immer wieder die Frage, inwieweit ich eigentlich in der Neuheidenszene noch zugehörig bin? Und da hab ich als Antwort eigentlich nur: Mein Götterglaube. Fertig. Nicht mehr. Wenn ich in anderen Dingen gleicher Meinung bin, betrifft das höchstens noch die Menschenrechte oder ähnliche Ansichten in der Politik. Aber spirituell bin ich offenbar außen vor, fühle mich nicht mehr so ganz rein passend, jedenfalls nicht, wenn es um so grundsätzlich spirituelle Weltbilder geht.

Ich frage mich halt (vielleicht sollte ich eine Umfrage machen :D  ), ob es außer mir (und ich schätze Eldkatten ist ähnlicher Meinung) noch andere Neuheiden gibt, die mit zwei Paradigmen leben, für die nicht alles eins ist (also Beweisbares und Irrationales). Oder ob ich da die einzige hier bin?

Zitat von: "Seth"
Andere Gesellschaften, die eben nicht den Darwinismus in der Schule gelehrt bekommen haben keine Glaubenskrisen. Seltsam.

Naja. Entweder handelt es sich um 3.-Welt-Länder, wo die meisten Leute andere Probleme und Sorgen haben, als sich um ihre Glaubensreflexion zu kümmern (wobei es auch Ausnahmen gibt - siehe Waris Dirie oder Ayaan Hirsi Ali, die trotz anderem Gesellschaftsparadigma ausgebrochen sind). Oder es sind Gottesstaaten, wo jedes Andersdenken lebensgefährlich ist. (Und auch dort gibts immer wieder Ausbrechende.)
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Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #10 am: Juni 15, 2012, 16:14:46 »
Hi Babsi und alle,

Zitat von: "Babsi"
Es ist toll, das du soweit reflektierst, um zu sagen, du evrehrst dein Götter weil es dir Spaß macht, Hobby und so, weil du sonst emotional leerer wärst, aber ist das nicht ...hm, das heißt doch deine Götter sind mit allem anderen was dich emotional erfüllt X-beliebig austauschbar. (Ein anderer geht z.B surfen weil er sonst aus dem Gleichgewicht kommt).
Im Endeffekt reduziert man so doch seinen Glauben auf nichts anderes auf eine Spinnerei, die man macht, damits einem besser geht. Realitätsflucht sozusagen ;)

Genau das hab ich mich ja auch gefrat. Und nüchtern betrachtet muss ich sagen, dass zwischen einem ernsthaft, vom Herzen betriebenen Hobby einerseits und einer Religion andererseits die Trennlinie äußerst weich, zerfranst und verschwommen ist. Wo beginnt Religion, wo hört Liebhaberei auf? Keine Ahnung. Liessmann sagte mal in einem Vortrag in seiner „Einstieg in die Philosophie“-Reihe, dass man auch sein Auto lieben kann. Wer das nicht glaubt, soll einem BMW-Fahrer mal einen Kratzer in seine Karre machen. Also von der Zeit, die man mit der Sache gerne verbringt, von der tiefen Verbindung, die man für eine Sache hat, hat ein ernsthaft betriebenes Hobby wirklich kaum einen Unterschied zu einer Religion. (Ich hatte deswegen ja mal den Rapid-Thread eröffnet

viewtopic.php?f=3&t=516

Ich denke, der Unterschied, der eine Religion ins Spezielle rückt, wäre der Glaube an spirituelle Dinge, und dass das voll in den Alltag, ins ganze Leben reingeht. Aber wie gesagt, die Grenze ist fließend. Ebenso wie zwischen Religion und Philosophie oder Religion und (politischer) Ideologie.

Wobei ich ja der Meinung bin, dass die atheistische Kritik gegen Religion v.a. gegen Religion im Sinne von (spiritueller) Ideologie geht, was für mich zur Folge hat, dass dieselben atheistischen Argumente gegen Religion auch gegen politische Ideologien ins Feld geführt werden können. Denn ob man nun im Namen Gottes oder im Namen Maos unterjocht wird, ist Jacke wie Hose. Ich rede daher lieber Karl Popper das Wort, der zwischen offenen und geschlossenen Systemen unterscheidet, wobei ein Gros an Religionen halt eher  geschlossenen System gleichen, es allerdings auch außerhalb der Religionen genügend Ideologien oder Lehren gibt, die ein geschlossenes System aufweisen und eigentlich genauso in die atheistische, in jedem Fall in die humanistische Kritik fallen müssten. Aber wurscht...

Ich weiß jedenfalls nicht ganz genau, ob und wie sich der Unterschied zwischen Spiel und Religion in mir tut. Ich glaube, es wäre mir ein bisserl zu wenig, würde ich meinen Götterglauben als reines Spiel sehen. (Auch wenn ich sehr gerne spiele - ich liebe Brettspiele!!!) Es geht tatsächlich tiefer, ist undefinierbar, innen drin, ein tiefes Bedürfnis halt. Ich bin glaub ich schon religiös auf die Welt gekommen, weil von der Familie kann ich es nicht haben. :D  

Realitätsflucht kann, wie Nachtfalkin schrieb, latürnich alles werden. Aber wenn ich von der Realität flüchten will, tu ich lieber einen Film schauen oder einen Krimi lesen. :D :D :D  Meine religiösen Andachten und Riten sind eher dazu da, mein Leben zu bereichern, mir im Leben zu helfen, mir einen (zusätzlichen) Lebenssinn zu geben. Das ist was anderes als Flucht.

Zitat von: "Babsi"
An sich ist das alles nichts schlechtes (vor allem, solange man selbst so weit ist und das für sich selbst reflektieren kann) und, ich muss sagen, ich gehör da auch dazu. Stimme mit den Atheiste sehr überein, habe ein sehr rational/wissenschaftliches Weltbild entwickelt und doch...hör ich mit meiner "spiritualität" nicht auf. Eben weils Freude bringt. Und weils mir damit gut geht. Aber dieser Zwiespalt im Kopf dauernd!...  :ugly:

Naja, wie gesagt, für mich ist es halt kein Zwiespalt im Kopf. Eher ein Zwiespalt für mich in Bezug auf die Community hier. In meinem Kopf funktioniert das wunderbar. Das eine rationale Paradigma nimmt den atheistischen Standpunkt ein, das religiöse Paradigma sieht Gottheiten als echt und existent an. Ungefähr so wie in der Kaosmagie, wo sich die Magier von einem zum nächsten auf ein anderes Paradigma einstellen, das dann während des Ritus absolut wahr ist .... Für mich sind die Gottheiten eben die ganze Zeit WAHR. Aber wahr nicht im Sinne der wissenschaftlichen Beweisführung, weils nach meiner Meinung halt zwei verschiedene Planeten sind (oder 2 Paar Schuhe oder Äpfel und Birnen), sondern wahr ausschließlich im spirituellen Sinne, der sich nicht begreifen und nur unzureichend erklären lässt.
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Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #11 am: Juni 15, 2012, 16:15:12 »
Hi Nachtfalke und alle,

Zitat von: "Nachtfalke"
Irgendwie springt mir bei dir McC die ganze Zeit das Wort "Spiritualität" in den Kopf. Was bedeutet die für dich? Hat sie in deinem Leben einen Stellenwert? Welchen?

Danke für Deine Fragen. Diese hier hab ich schon im posting vorher bei Babsi beantwortet. Meine Religion (für mich ein anderes Wort für Spiritualität) nimmt einen sehr großen Raum ein in meinem Leben, sonst wäre ich nicht hier.

Zitat von: "Nachtfalke"
Ist denn das, was du verdrängst so essenziell für dich?

Das einzige, das ich mir verkneife (aber nicht verdränge), ist eben offene Kritik an gewissen religiösen Praktiken, weil ich mich sonst als Vereinsvoständlerin selbst bannen müsste, weil das sehr direkt und fies ausfallen würde. Deshalb finde ich ja teilweise „Zuflucht“ bei den atheistischen Blogs, wo die Dinge stehen, die ich mir aus Höflichkeit verbitte, hier zu schreiben.

Zitat von: "Nachtfalke"
Oder wills vielleicht doch in den Vordergrund (ich denk mir, du wirst ja irgendwo Zweifel haben, sonst würdest du den Thread ja nicht schreiben).

Ja wills. Und ich glaube, WEIL ich Religion als Phänomen so spannend, interessant finde, ist mir auch die Kritik daran so wichtig. Klingt doof, ist aber wahrscheinlich so. Ich meine, ich kritisiere ja auch die Kelten, obwohl mich ihre Kultur und Religon total in Anspruch nimmt, ja Teil meines Lebens ist. Vielleicht ticke ich einfach so, dass, wenn ich total Gefallen an einem Thema habe, zugleich auch die Kritikpunkte sehr wichtig nehme. Was weiß ich....  :goofy:
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Mc Claudia

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #12 am: Juni 15, 2012, 16:15:46 »
Hi alle,

noch ein Zusatz. Es geht mir ja nicht nur um die Glaubenssachen. Ich komm immer wieder drauf, dass unter Neuheiden ein gewisses Selbst-Verständnis besteht, dass ich auch oft nicht teile. Hier einige Punkte, die mir immer wieder in der community begegnen:

- Feiern:
Einige Neuheiden sind offenbar der Meinung, dass Heide-Sein auch heißt, nächtelang durchfeiern zu müssen. Aus gesundheitlichen Gründen mach ich das nicht, finde aber trotzdem, dass ich Heidin bin.

- Natur, Wetter und Campen:
Zurück zur Natur, wurscht, ob es regnet, denn „wir Naturreligiösen lassen uns von Regen nicht einschüchtern“. Nein, ich hasse campen, ich liebe mein Bett in einem festen Haus, und ich hab auch keinen Bock, auf Biegen und Brechen unbedingt draußen ein Gemeinschaftsritual zu machen, auch wenn das Wetter noch so Sch**** ausschaut. Vor allem dann nicht, wenn man heikle schöne Ritualgegenstände mit hat, die kaputtgehen könnte, oder deren Wegräumen bei einem plötzlichen Wolkenbruch sehr zeitaufwendig und nervig ist. In solchen Fällen bleib i lieber unter Dach. Ja, ich gebe zu, ich bin Schönwetterheidin. Und ich steh dazu. Meine Gottheiten wohnen auch in meiner Betonwohnung, nicht nur in der grünen Natur. Ich wohne auch gerne in meiner eigenen Wohnung in der Stadt, und ich habe keine Lust auf eine Heidencommunity in einem autonomen Bauernhaus (wie offensichtlich viele - so gehört am letzten Baba Jaga).

- Rituale in der Nacht:
Aus unerfindlichen Gründen feiern viele Heiden (vielleicht inspiriert duch Wicca??) ihre Rituale dauernd in der Nacht, oder spätestens wenns dunkel ist. Ich find das doof. Alleine schon aus praktischen Gründen finde ich Rituale bei Tageslicht gscheiter, weil man da den liturgischen Text besser lesen kann.....  :Lesen:   Und nach dem Ritual findet man auch seine Ritualgegenstände wieder besser, man steigt nicht auf heikle Dinge drauf (passiert in der Nacht bei Lagerfeuer oft) und findet v.a. leichter nach Hause. (Okay, ich geb zu dieser Kritikpunkt hat einige Schwächen, weil es bei einigen Riten einen Sinn hat, dass sie bei Dunkelheit stattfinden - ABER doch NICHT ALS GRUNDSATZ!)

- Alternative Heilmethoden:
Nein denen vertraue ich nicht nur deshalb mehr, weil sie angeblich keine Nebenwirkungen haben oder aus einem angeblichen holistischem Weltbild stammen. Wenn ich krank bin und gesund werden will, ist mir jedes wirksame Mittel, das mir nicht mehr schadet als nützt, recht. Wurscht, ob aus der Pharmafirma oder aus der Natur oder aus sonst einer Quelle. Warum muss man als Heide automatisch auf alternative Heilmethoden schwören und sich für Kräuter interessieren? Was hat Götterglaube mit Heilmethoden zu tun??

OK, soweit so grummelig. Wahrscheinlich kann man von meinem Thread hier schon zehn neue threads starten. Bitte tut Euch keinen Zwang an. :verlegen:  

Schönes Wochenende

Mc Claudia
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Baldur

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #13 am: Juni 18, 2012, 15:23:13 »
Zitat von: "Mc Claudia"
Hi alle,
- Feiern:
Einige Neuheiden sind offenbar der Meinung, dass Heide-Sein auch heißt, nächtelang durchfeiern zu müssen. Aus gesundheitlichen Gründen mach ich das nicht, finde aber trotzdem, dass ich Heidin bin.
In diesem Punkt gebe ich dir recht, und muss diesen Punjkt auch noch erweiteren, man muss auch nicht heillos besoffen sein bzw. sich besaufen bis zum Umfallen um zu Feiern.
Zitat
- Natur, Wetter und Campen:
Zurück zur Natur, wurscht, ob es regnet, denn „wir Naturreligiösen lassen uns von Regen nicht einschüchtern“. Nein, ich hasse campen, ich liebe mein Bett in einem festen Haus, und ich hab auch keinen Bock, auf Biegen und Brechen unbedingt draußen ein Gemeinschaftsritual zu machen, auch wenn das Wetter noch so Sch**** ausschaut.
Ist OK, ist dein Ding, ich mags auch nicht wenn es just vor dem Ritual regnet. Allerdings in der langjährigen Statistik habe ich die Erfahrung gemacht, dass uns die Götter nur äusserst selten im Stich liessen, sodass es wirklich während des Rituals regnete. Im Grunde genommen hab ich mich immer über mich selbst geärgert, wenn wirs abgebrochen haben und dann bei trockenem Wetter im Hof gesessen sind, statt in der Natur. Manchmal kommt es mir fast so vor, als würden sich die Götter über mich abhauen, wenn ich mich lediglich von einer dunklen Wolke abschrecken lasse.
Zitat

Vor allem dann nicht, wenn man heikle schöne Ritualgegenstände mit hat, die kaputtgehen könnte, oder deren Wegräumen bei einem plötzlichen Wolkenbruch sehr zeitaufwendig und nervig ist. In solchen Fällen bleib i lieber unter Dach.
Im Umkehrschluss heisst das aber, du schränkst dich zugunsten der Ritualgegenstände von vornherein ein. Zugegeben, dieses Problem habe ich nicht, denn sowohl Hammer als auch Horn können nass werden, ohne dass was kaputtgeht, ausser vielleicht meine gute Laune.
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Ja, ich gebe zu, ich bin Schönwetterheidin. Und ich steh dazu. Meine Gottheiten wohnen auch in meiner Betonwohnung, nicht nur in der grünen Natur.
Ist schon klar, aber Naturgötter- und Wesen sind nun mal vorrangig in der Natur anzutreffen.
Zitat
Ich wohne auch gerne in meiner eigenen Wohnung in der Stadt, und ich habe keine Lust auf eine Heidencommunity in einem autonomen Bauernhaus (wie offensichtlich viele - so gehört am letzten Baba Jaga).
Ist OK, das eine hat aber mit dem anderen original nix zu tun.
Zitat
- Rituale in der Nacht:
Aus unerfindlichen Gründen feiern viele Heiden (vielleicht inspiriert duch Wicca??) ihre Rituale dauernd in der Nacht, oder spätestens wenns dunkel ist. Ich find das doof. Alleine schon aus praktischen Gründen finde ich Rituale bei Tageslicht gscheiter, weil man da den liturgischen Text besser lesen kann.....  
Hat nix mit WICCA zu tun.
Ich beginne wenn immer es geht mit Einbruch der Dämmerung. Da kann man noch genug lesen und wenn man fertig ist, und das Feuer schön brennt und es dunkel ist, hat das, so finde ich schon eine eigene Energie.
Zitat
:Lesen:   Und nach dem Ritual findet man auch seine Ritualgegenstände wieder besser, man steigt nicht auf heikle Dinge drauf (passiert in der Nacht bei Lagerfeuer oft) und findet v.a. leichter nach Hause. (Okay, ich geb zu dieser Kritikpunkt hat einige Schwächen, weil es bei einigen Riten einen Sinn hat, dass sie bei Dunkelheit stattfinden - ABER doch NICHT ALS GRUNDSATZ!)
Wie oben erwähnt, ist kein Grundsatz, aber m.E. eben doch einfach schöner und stimmungsvoller.
Dunkel und grosses Feuer in der Natur ist eben schöner als hell und kleines Feuer in der Hütte.
Zitat
- Alternative Heilmethoden:
Nein denen vertraue ich nicht nur deshalb mehr, weil sie angeblich keine Nebenwirkungen haben oder aus einem angeblichen holistischem Weltbild stammen. Wenn ich krank bin und gesund werden will, ist mir jedes wirksame Mittel, das mir nicht mehr schadet als nützt, recht. Wurscht, ob aus der Pharmafirma oder aus der Natur oder aus sonst einer Quelle. Warum muss man als Heide automatisch auf alternative Heilmethoden schwören und sich für Kräuter interessieren? Was hat Götterglaube mit Heilmethoden zu tun??
Ganz andere Sache, und hat auch nix mit Heidentum zu tun, ich kenne x Katholen die auch Homöopatische Präparate nehmen...


asaheil ok vana
Baldur
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Herdwart des Eldaring für Österreich
Ich bin nicht Asatru weil ich einen Hammer trage,
ich trage einen Hammer weil ich Asatru bin.
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„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit; aber bei dem Universum bin ich mir

Nachtfalke

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Re: Glaubenskrise
« Antwort #14 am: Juni 19, 2012, 15:07:28 »
Hmm also ist dein eigentliches "Problem" ja, dass du dir nicht sicher bist, ob du in die Community passt, oder?
Fühlst du dich denn zugehörig? Oder kommen deine Zweifel nur daher, dass du nicht immer einer Meinung mit den anderen bist? (Thema lass ich mal außen vor)




Zitat von: "Mc Claudia"
Feiern:
Einige Neuheiden sind offenbar der Meinung, dass Heide-Sein auch heißt, nächtelang durchfeiern zu müssen. Aus gesundheitlichen Gründen mach ich das nicht, finde aber trotzdem, dass ich Heidin bin.
Äh... mach ich auch nicht. Klar, ich bleib auch mal gern länger weg oder so. Aber ich seh keinen "Zwang" dahinter.

Zitat
- Natur, Wetter und Campen:
Zurück zur Natur, wurscht, ob es regnet, denn „wir Naturreligiösen lassen uns von Regen nicht einschüchtern“.
Kommt drauf an wie viel Regen :) wegen ein paar Tropfen würd ich ein Ritual nicht abbrechen. Bei Hagelgewitter und Schneesturm schauts dann wieder anders aus :D

Zitat
Ich wohne auch gerne in meiner eigenen Wohnung in der Stadt, und ich habe keine Lust auf eine Heidencommunity in einem autonomen Bauernhaus (wie offensichtlich viele - so gehört am letzten Baba Jaga).
Ich hab auch meine kleine Wohnung - wenngleich ich auch ganz gern ein kleines Haus mit Garten hätte ;) in der Natur.
So eine Heidengemeinschaft widerstrebt mir dann aber wieder wenn ich ehrlich bin. Muss nicht sein, dafür bin ich nicht gemacht. Aber ich mag so ein WG-artiges Leben auch gar nimmer haben.

Zitat
- Rituale in der Nacht:
Aus unerfindlichen Gründen feiern viele Heiden (vielleicht inspiriert duch Wicca??) ihre Rituale dauernd in der Nacht, oder spätestens wenns dunkel ist. Ich find das doof. Alleine schon aus praktischen Gründen finde ich Rituale bei Tageslicht gscheiter, weil man da den liturgischen Text besser lesen kann.....  :Lesen:   Und nach dem Ritual findet man auch seine Ritualgegenstände wieder besser, man steigt nicht auf heikle Dinge drauf (passiert in der Nacht bei Lagerfeuer oft) und findet v.a. leichter nach Hause. (Okay, ich geb zu dieser Kritikpunkt hat einige Schwächen, weil es bei einigen Riten einen Sinn hat, dass sie bei Dunkelheit stattfinden - ABER doch NICHT ALS GRUNDSATZ!)
In der Nacht ists einfach schöner, Punkt. Hab aber schon recht viele Rituale alleine am Tag gemacht ;)

Zitat
- Alternative Heilmethoden:
Nein denen vertraue ich nicht nur deshalb mehr, weil sie angeblich keine Nebenwirkungen haben oder aus einem angeblichen holistischem Weltbild stammen. Wenn ich krank bin und gesund werden will, ist mir jedes wirksame Mittel, das mir nicht mehr schadet als nützt, recht. Wurscht, ob aus der Pharmafirma oder aus der Natur oder aus sonst einer Quelle. Warum muss man als Heide automatisch auf alternative Heilmethoden schwören und sich für Kräuter interessieren? Was hat Götterglaube mit Heilmethoden zu tun??
Das obliegt jedem selbst. Ich nehm auch ab und an Medikamente wenn sie mir der Arzt verschreibt und ich sie als sinnvoll ansehe (sprich, wenn die Nebenwirkungen nicht zu hoch sind). Allerdings versuch ich auch viel "alternativ" selbst auszukurieren und renn ned wegen den Blödsinn zum Arzt :)
« Letzte Änderung: Januar 01, 1970, 01:00:00 von Guest »
Gruß,
Nachtfalke

"Wenn du etwas riskierst, dann lebst du vielleicht nicht lange. Aber solange du lebst, ist dein Leben wirklich großartig. Ein Leben ohne Risiko ist sowieso nicht real." (Charles "Chongo" Tucker III)